Dienstag, August 30, 2005

 

Interview: Harry Frankfurt in der WamS

Der Bullshit-Theoretiker Harry Frankfurt gab Sebastian Moll ein ausführliches Interview, das in der Welt am Sonntag erschien. Frankfurt unterscheidet zwischen Bullshit und Humbug. Bei Humbug läge noch eine Täuschungsabsicht vor, bei Bullshit glauben die Redner ihren Scheiß sogar selber.

Montag, August 29, 2005

 

Nicht-Existenz ist nicht beweisbar


In einem begleitenden Leitartikel erklärt ’The Lancet’: "Der Wunsch nach solchen alternativen Behandlungsmöglichkeiten, die eine größere Bedrohung der konventionellen Versorgung darstellen – und des Wohlergehens der Patienten – wird nicht durch falsche Argumente zu möglichen Vorteilen absurder Verdünnungen ausgelöst, sondern liegt an der Einstellung von Patienten und Gesundheitsversorgern."
Shang A, Huwiler-Muntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JAC, Pewsner D, Egger M (2005): Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet 2005; 366: 726-732

Der von mir sehr geschätzte Martin Hagen machte mich darauf aufmerksam, er habe in der SZ gelesen, dass die Homöopathie jetzt endgültig widerlegt sei, und fiel dabei schon auf deren ersten Trick herein:

Nicht die Wissenschaft hat zu beweisen, dass die die Homöopathie nicht wirkt. (Philosophen wissen: Nicht-Existenz ist per se nicht zu beweisen) Die Homöopathie hat den Wirksamkeitsnachweis in wissenschaftlicher Form darzulegen, und zwar in der allgemein akzeptierten Form, doppelblind, randomisiert und mit ausreichender Stichprobengröße. Fertig.

Nächster Punkt: Seit ziemlich genau 195 Jahren (seit Hahnemanns Organon von 1810) wartet die gelehrte Welt auf den Nachweis. Ich hab keine Ahnung wie in die 150 Jahre in die Presse kommen. Aber 195 Jahre Bullshitting, die könnte man gerne mal auf 200 Jahre aufrunden.

Die Lancet-Veröffentlichung von Professor Matthias Egger und seinen zahlreichen Co-Autoren ist keine eigenständige Studie, sondern eine Meta-Analyse bereits vorhandener Daten. Sollte der Homöopathie wider Erwarten ein Wirksamkeitsbeweis gelungen sein, so würde dies in dieser statistischen Arbeit keinen Effekt haben. (Meta-Analyse 1543: 200 Astronomen sagen "Sonne dreht sich um Erde", 1 Astronom sagt "Erde dreht sich um Sonne")

Die Eggersche Veröffentlichung ist meines Erachtens rausgeschmissenes Geld. Hier ist nur interessant, wie sich die Volontäre in den Wissenschaftsredaktionen an der dpa-Meldung ausprobieren. Quatsch-Terminologie wie "allopathische Medizin", "Schulmedizin" finden sich bei SPON wie SZ.

Intellektueller Unsinn ist dieser Satz aus des SZ: »Das Ergebnis: In „kleinen, weniger guten“ Studien zeigten sowohl die Homöopathie als auch die Schulmedizin eine gewisse Tendenz zur Wirksamkeit.« Man darf in einer Meta-Analyse nicht einzelne Werte herausreißen!

Dieses zuvor beschriebene Phänomen der kleinen Studien nennt man übrigens Publication Bias. (Prof. Eggers nennt es »die kumulativen Effekte verschiedener Quellen der Voreingenommenheit«.) Wer was gefunden hat, der will es auch veröffentlichen. (Meine private Studie, Case study: n=2, Vorher gesund, dann zum Homöopathen. Nach 1 halben Jahr: 1 tot, 1 im Krankenhaus.) Negative Zahlen veröffentlicht ein Homöopath natürlich nicht.

Der SZ-Artikel ist auch noch in weitere Hinsicht schlampig: »Das zeigt eine große Studie von Wissenschaftlern aus der Schweiz und Großbritannien« wird da im Teaser behauptet. Ich glaube, da werden zwei Sachen in einen Topf geworfen. Zum einen die Meta-Analyse (von der Uni Bern) und dann den Kommentar der englischen Lancet-Herausgeber. Nur: Der Kommentar ist nicht die Studie!

Freitag, August 26, 2005

 

Vitamin-Scharlatan mit eigener Partei

Auch die Skandalnudel im weißen Kittel, Matthias Rath, kam auf die Idee, eine Partei zu gründen. So kommt der deutsche TV-Konsument bald in den Genuss neuer öffentlich-rechtlich finanzierter Nahrungsergänzungswerbespots von der AGFG. Die Gesundheitspartei hat bescheuerte "Der Ami will die Weltherrschaft nur wegen Öl für seine Pharmamedikamente"-Propagandaplakate. Hallo Ossis, die ihr ja mehr Fernsehen kuckt als andere, weil ihr ja arbeitsloser seid als alle anderen: Nicht alles glauben! Manchmal wird auch im MDR gelogen. Vitamin C ist auch in frittierten Pommes drin.

 

Der Prinz der Scharlatane

»God save the Queen« singt Zahlengucker Brignell in Großbritannien heute noch inbrünstiger als zuvor, denn der männliche Thronfolger macht sich auf, den buckligen Quasimodo als gewählten Prinz der Narren abzulösen. Der Winzer-Karl ist nämlich Anhänger der Alternativmedizin im Allgemeinen und der Homöopathie im Speziellen, wie die erwürdige Times zu berichten weiß.

Nachdem die Wirksamkeit homöopathischer Medikamente aus logischen Gründen auch weiterhin unbeweisbar bleibt, versucht der Prinz der Quacksalber jetzt ein andere Milchmädchenrechnung aufzumachen: Homöopathie spare Kosten im Gesundheitssystem. Millionen, wenn nicht gar Milliarden Pfund! (Die Rechnung was die Einsparung der Monarchie im UK kostet, wollen wir lieber nicht aufmachen.) Zu diesem Zweck wurde ein Kumpel vom Kumpel aus der Oberschicht angeheuert, eine Studie anzufertigen und diese dem Gesundheitsminister auf den Tisch zu knallen. Diese Studie liegt nun vor, und es gibt Krach.

Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin an der Uni Exeter, möchte seinen Namen nicht in der "Studie" erwähnt sehen.

“These are outrageous estimates without any strong evidence to support them,” sagte Professor Ernst. “The report glosses over the science and its methodology is deeply flawed.

“It is highly selective in its use of evidence and it looks like the conclusions have been written before everything else. It is based on such poor science it’s just hair-raising. The Prince of Wales also seems to have overstepped his constitutional role.”
Weiterhin: “They have selected all the positive evidence and left out all the negative studies.” the professor said. “They have overinterpreted and misinterpreted the data they do include. They changed the study’s methodology repeatedly as they went along, which is a well-known source of error and bias.”

Wohlgemerkt: Hier geht es um ökonomische Untersuchungen! Aber es sind die selben mustergültigen Gegen-Argumente, die bei jedem neuen hoffnungslosen Versuch der »Alternativen« Xe für Us zu erklären wieder auftauchen.

1 Übertriebene Behauptungen ohne Anlass
2 Vertuschung anderslautender Aussagen
3 Schlampiges Versuchsdesign
4 Nur die guten Effekte zählen, die negativen ignorieren
5 Über- und Misinterpretation der Daten
6 Änderungen der Versuchsanordnung während der laufenden Studie
7 Schon die Schlussfolgerung schreiben, bevor man mit den Experimenten beginnt (Beweisen)

Einen guten Überblick über die Ergebnisse von Prof. Dr. Ernst gibt es bei der österreichischen Ärztewoche.

Donnerstag, August 25, 2005

 

Wahlkampf

So jetzt hat auch das Bundesverfassungsgericht geklärt: Es wird gewählt! Und schon geht der Humbug los. Auch hier in Hamburg agiert die Satire-Partei DIE PARTEI und hat sich schon mal auf SPD-Größe Olaf Scholz gestürzt. In Hamburg-Harburg scheiterte Möchtegern-Kandidat Jan Dirksen (KÖNIGREICHTUM HARBURG) an der Zustimmung der Bevölkerung, er konnte nur 50 Unterstützer auf seiner eintägigen Stimmenfangaktion für seine monarchistischen Ambitionen gewinnen. Er war einfach zu wenig in seinem avisierten Wahlkreis, sondern trieb sich stattdessen in der Etablissements an seinem Wohnort (Bezirk Eimsbüttel). Hier konnte man den sympathischen Alleinunterhalter in einer Bar in der Amandastraße bei einer Bionade über seine politischen Ambitionen schwadronieren hören.

Die FDP-Vertreter, so berichtete Dirksen über seinen Straßenwahlkampf in Harburg, wären allesamt freundliche, kooperative Leute gewesen, die dem Möchtegern-Monarchen, bis auf einen beinharten "Republikaner" die Unterstützung nicht versagten. Die Tapeziertischfraktion der GRÜNEN hingegen fürchtete sich vor der "Konkurrenz". Humbug-Monarchist Dirksen verwies im Acht-Augen-Gespräch auf einen Umstand, der ihm mehr Sorge bereitete als die durch das destruktive Misstrauensvotum verkürzte Unterstützerstimmensammelzeit: Die NPD bräuchte an diesem Prozedere, da sie in sächsischen Landtag vertreten ist, nicht mehr teilnehmen.


Eimsbüttel ist auch die Heimat des in die Bildzeitungsschlagzeilen geratenen Niels Annen, der als eifriger Blogger bekannt ist und Deutschlands fleißigster E-Mail-Beantworter unter den Politikern sein soll. Der SPD-Politiker Annen wirbt in seiner Broschüre damit, dass er auch mit den allein erziehenden Müttern aus dem Schanzenviertel spricht. Das macht sich immer gut. Nicht so gut hingegen die 24 Semester und kein Ende, aber ich hab ein Herz für Langzeitstudenten. Ein bisschen übertrieben scheint mir auch die Aussage, dass diese Bundestagswahl entscheidend sei für die Zukunft von Eimsbüttel. Hier hat man schließlich auch die Bomben des Zweiten Weltkriegs überstanden.

Etwas farblos erscheint mir unser CDU-Kandidat Wolfgang Beuß. Irgendwie hat er kein besonderes Profil, verheiratet, ein Kind, Sonderschullehrer, hat sich hochgedient im Öffentlichen Dienst, und rangearbeitet ans Stadtzentrum, von den Suburbs nach Harvestehude. Außerdem macht er sich schon mal Gedanken um eine Harvestehuder Filetstückimmobilie, an die er rankäme, wenn er in Berlin tätig wäre. Sein Konzept zur Krankenversicherung: Jeder soll 109 Euro zahlen. Hmm?

Noch farbloser als Beuß ist Eimsbüttels grüner Kandidat Till Steffen, der optisch etwas an den Komiker Hoëcker erinnert. Mich persönlich stört sein Outfit: Ich kann Hemdenträger nicht ausstehen, die keine Krawatte tragen, sondern stattdessen ein weißes T-Shirt hervorblitzen lassen. Huah! Inhaltlich möchte sich der Zugezogene für Verbrecher und für den Datenschutz auch von Verbrechern einsetzen, weil es ja sonst keiner tut.

Ein bunter Hund ist jedenfalls der FDP-Kandidat Hundelshausen, eigentlich Stephan Freiherr von Hundelshausen. Er hat mal mit zusammen mit meiner Freundin für die Hamburger Tourismuszentrale gearbeitet, und hat ähnlich wie der andere Hamburger Freiherr viele Bekannte in St. Georg. Ich werte dies als Pluspunkte. Hundelshausen ist Kreisvorsitzender in Harvestehude, Rotherbaum und Eimsbüttel und Bezirksvorsitzender in Eimsbüttel und also auch Kandidat, viel mehr erfährt man nicht. Bei aller bundespolitischen Sympathie: die Website der FDP Hamburg leidet stark unter dem PISA-Syndrom und ist wenig aussagekräftig. Der eindeutige Online-Verlierer. Auf seiner eigenen Website ist Hundelshausen mit merkwürdig abgebrannter filterloser Zigarette und einem Haschtütchen abgebildet. Tss. Tss.

Nichtsdestotrotz wird sich der Autor dieser Zeilen aktiv an der Demokratie beteiligen und seinen Posten als Wahlhelfer antreten und anschließend das Honorar beim örtlichen Griechen (Wiege der Demokratie) verfuttern.

Dienstag, August 23, 2005

 

Ja, der alte Nostradamus

Ein Haufen Humbug allerorten. Man wird zugemüllt. An jeder Straßenecke nerven die Scharlatane! Beginnen wir doch einmal mit der Petra, einer ganzheitlich normalen Frauenzeitschrift. Geld ausgeben, wohlfühlen, Ayurveda! Aus der Für Sie erfahren wir von einer namentlich genannten Dame, dass Beten hilft. Prima, einfach mal die Heiler-Studie vergessen und einfach mal einen amerikanischen Krankenhaus-"Christen" (die Sorte, die wir hier in Europa rausgeschmissen haben) als "Experten" konsultiert. (Dass man auch mit Arbeiten in einer Woche 7 Pfund abnehmen kann wird großspurig in einem Artikel zur GLYX-Diät versprochen. Chinesische Minenarbeiter würden sich freuen, wenn sie mit einer Woche Arbeit 7 Pfund zunehmen könnten.)

Dann sitzt man abends in geselliger Runde beim runden Geburtstag einer Freundin, die nur dank modernster Pharmaforschung, allerneuster Hightech-Hilfsmittel, der Einsatzbereitschaft von Hubschraubern und dank der Ausbildung von Notärzten, die nicht in Witten-Herdecke studiert haben, überhaupt noch am Leben ist, und muss sich höfliche das einfältige Gequatsche der bescheuerten Angehörigen über Nostradamus anhören. Er hätte ja wohl recht gehabt. (Auch wenn die meisten seiner Prophezeiungen nach seinem Tod 1566 und auch gelegentlich nach den vorgeblich vorausgesagten Ereignissen erscheinen.) Meine Freundin wirft mir einen genervten Blick zu und beginnt, den Gassenhauer Ja, der alte Nostradamus... brauchte auch nur Geld zu summen.

Oh! Und Madonna (47) ist vom Pferd gefallen. Aua! Knochenbruch. Erst ins Krankenhaus, dann den spirituellen Beistand eingeflogen. Rabbi Berg, der Teilhaber eines Kabbala-Shops irgendwo an der Fifth Avenue weiß Rat. Madonna habe die Endlichkeit des Seins erkannt. Tolle Erkenntnis! Da kaufe ich doch gleich die Kabbalah-Duftkerze Energy Boost für 12 Dollar (die von Aldi für 1,20 Euro tuns ja nicht) und nehme noch die Roten Fäden (für unverschämte 26 Dollar) mit, die helfen ja gegen Menschen mit dem "Bösen Blick". Eigentlich ein Wunder, dass bei soviel positiver Energie sich das Böse immer noch auf der Erde herumtreibt.

Am nächsten Tag dann sehe ich spätabends, als ich von der Arbeit nach Hause spazierte, wieder ältere Frauen um die 45 in einem Kellerlokal beim Händchenhalten. Ich nehme diesmal einen ausliegenden Prospekt mit. Aha, es handelt sich um eine Verkaufsveranstaltung: Das Ladenlokal ist der Hexenkessel (Ganz in der Nähe vom Hundehomöopsychopathen Rudelfrieden und dem Teuertierfutterhändler Schnauzen), darin "weihen" die DurchgeknalltInnen HyperreichInnen ihre "Mojo bags". Das ist ein Bündel Gewürzkräuter, die man im Supermarkt für einen Euro bekäme, dafür sich aber nicht das Gelaber anhören muss. Was hier den unbemannten Damen für ausgetrocknetes Gras abgeknöpft wird, will ich nicht wissen. Vielleicht sollten sie sich mal die Austin-Powers-Filme reinziehen, dann wüssten sie, worum es bei Mojo geht.

Ein Arbeitskollege, Ingenieur und junger Vater, rätselt um das Geheimnis der Öko-Schnuller. Im Hebammen-Shop wurde seinem Nachwuchs ein Schnuller angedreht, der auch gut beim Kleinkind ankam. Ersatz ist jedoch kaum möglich. Denn die Firma, die auf der Packung angegeben ist, scheint nicht zu existieren. Ist er da einem Öko-Skandal auf der Spur? Stammt der Naturkautschuk in Wirklichkeit aus chinesischer Massenpflanzenhaltung?

Dienstag, August 09, 2005

 

PR ist keine Doku!

Florian Schwab ist empört! Das Schweizer Fernsehen SF1 strahlt einen als Dokumentarfilm getarnten Promobeitrag des Wasser-Scharlatans Grander aus. Das ist natürlich nicht die Aufgabe einer öffentlich-rechtlichen Medienanstalt, die der Volksaufklärung verpflichtet ist.

Also schreibt Florian Schwab einen Offenen Brief an den Chefredaktor des SF1 Ueli Haldimann, in dem er die Absetzung der Volksverdummung am Samstag, 13. August 2005 verlangt. Nachzulesen bei David »Senor Daffy« Harnasch. Wir schließen uns Schwabs Forderungen an: Keine Scharlatan-PR auf SF1, Herr Haldimann!

Über das Grander-Wasser informiert sehr sachlich Dr. Erich Eder, er ist kein »Schulmediziner«, sondern Lehrbeauftragter der Universität Wien (bekannt für ihre Nobelpreisträger Erwin Schrödinger, Konrad Lorenz oder Friedrich A. von Hayek, um nur einige zu nennen) Eder leistet auf wenigen Internetseiten vorbildliche Aufklärungsarbeit, für die er von der Stadt Wien im Jahr 2004 mit dem Förderpreis für Wissenschaft und Volksbildung ausgezeichnet wurde. Zuvor jedoch wurde Dr. Eder mit Prozessen überhäuft. Mittlerweile steht nur noch die Aussage »Es handelt sich beim Grander-Wasser um aus dem Esoterik-Milieu stammenden pseudowissenschaftlichen Unfug, dessen kommerzielle Nutzung an gewerbsmäßigen Betrug grenzt« zur juristischen Diskussion, vermutlich weil die österreichischen Richter noch mal nachschlagen müssen, wie man Betrug von Marketing unterscheidet.

Zwei Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung haben sich eine Diplomarbeit von Klaus Faißner (2000) noch einmal vorgeknöpft, der eine Wirkung der Granderwassermethode erkannt haben wollte. Die Wissenschaftler sind auf einen methodischen Fehler des Diplomanden gestoßen, mit dem Ergebnis, dass dessen Arbeit die Aussage, Grander-Wasser sei »wirksam«, nicht mehr stützt, sondern im Gegenteil, die These, die Grandersche Wasserbehandlung habe keinen Effekt, untermauert.

PS, 10. August: Bei dem wie immer stets hervorragend informierten David Harnasch äußert sich Granderwasser-Experte Dr. Erich Eder zum Schleichwerbungsskandal im Schweizer Fernsehen: Er hat Kenntnis von einem neuseeländischen Gerichtsurteil gegen die dortige Vertriebsfirma.

»Ecoworld claimed that any water brought into contact or close proximity with this “living water” would gain special properties, ranging from an improved PH level to becoming hostile to pathogens. Tests showed that there were no measurable differences between “treated” water that had passed through the system, and untreated water. Judge Merilena Burnett said promotional material for the Living Water units “contained inconsistencies, quackery and pseudo-science.”« So die neuseeländische Handelskammer.

Nur noch ein paar Tage bis zur Sendung. Grund genug, die Forderung zu wiederholen: Keine Schleichwerbung im Schweizer TV, Herr Haldimann!

Montag, August 08, 2005

 

Bioresonanztherapie

In der bremischen Taz fragt sich und uns die irgendwo lebende und arbeitende Mutter Elke Schneefuß »Humbug oder Segen?« Vielleicht meint sie damit die Bioresonanztherapie, die offensichtlicher Humbug ist, und die Frau Schneefuß auf 188 Zeilen in unerträglicher pseudojournalistischer Art und Weise bewirbt.

Humbug oder Segen? Wer könnte da objektiver informieren, als der Prokurist der Herstellerfirma? Wer wäre kompetenter, als ein Heilpraktiker, der sich gerade das 10000 Euro teure Humbugometer in die Altbauwohnung gestellt hat? In den 188 Zeilen knallhart recherchierten Taz-Journalismus fehlen die Hinweise darauf, dass es sich bei der Bioresonanztherapie um Humbug handelt. Das sei hier kurz nachgeholt.

1 Bioresonanz wirkungslos
Schöni MH, Nikolaizik WH, Schöni-Affolter F. Efficacy trial of bioresonance in children with atopic dermatitis. Int Arch Allergy Immunol 1997 (Februar); 112: 238-46
Wirkungslos, dies harsche Urteil fällt eine doppelt-blinde Studie, die in einer Zeitschrift gedruckt wurde, die nicht im Eigenverlag des Herstellers produziert wurde.

2 Erstattungsfähigkeit generell ausgeschlossen
»Einen Nachweis der Bioresonanztherapie gibt es nicht. Daher ist sie vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen von der Erstattungsfähigkeit durch gesetzliche Krankenkassen in Deutschland generell ausgeschlossen worden. Die AOK verfährt nach dem Grundsatz, die Versichertengemeinschaft nicht mit den Kosten für ein Verfahren zu belasten, das sich ausschließlich auf unbewiesene Behauptungen stützt und nicht unseren hohen Qualitätsansprüchen genügt.« Dies findet die AOK.

3 Die Geheimnisse von Scientology: Das E-Meter (engl.)
Dass der »Erfinder« der Bioresonanztherapie Dr. Franz Morell ein Scientologe war, der ein deutsches E-Meter verkaufen wollte, verschweigt Frau Schneefuß, die auch noch den Vornamen falsch schreibt. Aber über das lustige Scientology-Gerät E-Meter können sich Interssierte gerne informieren. - Bei soviel Schwachsinn: Wer so doof ist, das möchte man bald glauben, dem gehört das Geld aus der Tasche gezogen.

Freitag, August 05, 2005

 

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Kaum eine Modekrankheit, gegen die die Lifestyle-Medizinmänner (inkl. Weise Frauen) nicht doch ein Mittelchen hätten. Unter dem Titel "Hilfe für Zappelphilippe und Träumer" werden jetzt auch homöopathische Behandlungen des Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS propagiert, die im Ingolstädter Donaukurier anscheinend unreflektiert wiedergekäut wurden, vermutlich nach der pseudojournalistischen Methode der "Ausgewogenheit". (Dh.: Auf eine These A muss eine Antithese B folgen. A: Die Erde kreist um die Sonne. B: Im Internet gibt es Vertreter der Hohlwelttheorie.)

Der Artikel muss jedenfalls derart "ausgewogen" gewesen sein, dass sich Dr. Siegrid Seißler zu einem profunden Leserbrief veranlasst sah, der einige wichtige Argumente beinhaltet.

Nach einer Erklärung der evidenzbasierten Medizin, nach einer Vorstellung des bewährtesten Behandlungskonzepts (Verhaltenstherapie plus ggf. Medikamente (Stimulantien oder Atomoxetin)) äußert sie ihre wohltuend vernünftige Kritik:

Zum großen Nachteil für die Betroffenen erwächst, dass durch nicht wirksame Therapien, wie Homöopathie, Ergotherapie oder Kinesiologie wertvolle Zeit verloren wird, abgesehen vom Kosten- und Zeitaufwand, was zur Verschlechterung der Prognose führt.


PS. Weiterhin werden von den Anthroposophen, die sich gelegentlich in einer Ahnenreihe mit den Meeresbewohnern aus Atlantis wähnen, anscheinend besonders gern Algenpräparate an die ADHS-Kinder verabreicht. Diese sogenannten Afa-Algen enthalten aber nach Angaben des kanadischen Gesundheitsministeriums öfter mal leberschädigende Stoffe. Das weiß man in Deutschland schon seit dem Jahr 2002, wie man einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) vom 21. März 2002 entnehmen konnte. Aber wahrscheinlich glauben die Nahrungsergänzungsmitteldrückerkolonnen, dass sich von den bescheuerten Heilpraktikergängern niemand mehr dran erinnern kann.

PPS: Die "Algen" zählen heute übrigens systematisch zu den Cyanobakterien, gemeint ist der Organismus Aphanizomeon flos-aquae. Und Afa-Algen-Präparate sind eigentlich der Gipfel unverantwortlicher Biotechnik, aber das stört ja die Besserwisser im Gesundheitswesen nicht.

Mittwoch, August 03, 2005

 

Indien - Chance für Homöopathen

Die »Ehre des Saarlandes« hält nach eigenen Aussagen die Volontärin der Deutschen Welle, Priya Esselborn, hoch. Sie schreibt:

»Die Menschen in beiden Ländern [China und Indien] setzen nicht nur auf die moderne Schulmedizin. In Indien zum Beispiel sind in einer Art dualem System auch die Homöopathie, Jahrhunderte alte Naturheilverfahren wie Ayurveda oder sogar die Künste von Weisen und Schamanen gefragt. Im Westen ist wenig darüber bekannt, doch die Faszination alternativer Heilmethoden ist unübersehbar.
Erfolg mit Ayurveda
Eine Marktlücke für Indien, das seit einigen Jahren nach Thailand und Singapur nun auch den Medizin- und Wellnesstourismus propagiert.«


Wie bitte? Die Inder gehen zum Homöopathen, Lepra-Kranke bekommen geistigen Beistand, aber nicht etwa das billige Antibiotikum? Deutsche Frauen um die 45 lassen sich in Indien auf Krankenkasse einölen? Ich verstehe nur Indien? Aber schön, dass eine mit GEZ und Steuergeld gefütterte, Vier-Jahrespläne aufstellende Anstalt mich mal so richtig durchinformiert.

Wenn ich Priya Esselborn richtig verstehe, sollen deutsche Homöopathen doch in Indien ihre Quacksalber-Praxen eröffnen, weil Volk und Touris das voll toll finden. Aber gibt es auch genügend Gründerzeit-Villen in Indien, um die Homöopathen zum Umzug zu bewegen?

 

Salzwasserprediger Bombard gestorben

Gestorben ist am 19. Juli der französische Salzwasser-Humbug-Generator Alain Bombard. Anno 1952 überquerte er den Atlantik in dem Schlauchboot »L’Herétique« (Der Ketzer) und ernährte sich nach eigenen Angaben angeblich nur von Fisch und Salzwasser. Mit diesem heroischen Selbstversuch wollte er der Welt beweisen, dass die Wissenschaft irre, und er Recht habe.

Wenige Jahre später, 1956, wurde Bombards »Experiment« von dem deutschen Arzt Hannes Lindemann wiederholt und Bombards Behauptungen wurden sogleich falsifiziert. Nur Regenwasser rettete Lindemanns Leben. Lindemann konnte weiterhin nachweisen, dass Bombard die Öffentlichkeit getäuscht hatte: er verproviantierte sich in Las Palmas während seiner Reise mit ausreichend Trinkwasser und Nahrungsmitteln, holländische Zeitungen druckten Fotos, wie er von Dampfern Vorräte erhielt. Wasser predigen und Wein saufen, diesmal im Wortsinn!

Geblieben ist in ignoranten, vernunftresistenten Esoterikerkreisen die anthroposophische Mär, dass der Mensch nicht etwa von afrikanischen Steppenbewohnern, sondern von den Atlantisbewohnern abstamme. Zu diesem Themenkomplex gehört auch das Geschichtchen, dass die menschliche Zellflüssigkeit der Zusammensetzung des Meerwassers gleiche, Humbug!

Erwähnenswert ist noch, dass Bombard eigentlich kein wissenschaftliches Experiment durchführte, sondern eine gut kalkulierte Promo-Aktion, denn sein Schlauchbootgeschäft konnte sich nach der reißerischen Werbekampagne über deutlich höhere Umsatzzahlen freuen. Danach wurde der Unternehmer zum Sozialisten, zum Umwelt-Experten und anschließend Europa-Parlamentarier.

Vielen Dank an den hervorragenden Autor Ulli Kulke, der einen sehr fundierten Bombard-Nachruf in der Welt veröffentlichte.

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