Dienstag, November 29, 2005

 

Wenn die Katzen Trauer tragen

Speziell für die "Frau unseres Jahrhunderts" gibt es das "Frauenportal", dass sich ganz dem Konzept der Marktlücke verschrieben hat. Neben der Darstellung von "ästethisch" obenrum unbekleideten Frauen, denen eigentlich nur "erotische Dessous" fehlen, wird dort unter der Ägide von Anja Uhlig knallhart recherchiert. Zum Beispiel über traurige Muschis.

Die Hamburger Katzenpsychologin und Tierhomöopathin [XY, Name entfernt, Hobe] hat die Erfahrung gemacht, dass sich Trauer auch in Stimmungsschwankungen äußern kann. ...

Oft reagieren Katzen beim Verlust ihres Menschen noch heftiger als beim Tod eines Artgenossen. Denn meist verlieren sie zusätzlich ihre vertraute Umgebung. Sie verstehen nicht, warum sie plötzlich woanders sind, wo es nur fremde Sachen gibt und alles anders riecht. „Übernehmen Sie das Tier eines Verstorbenen, sollten Sie daher möglichst alle Katzensachen mitnehmen und auch getragene Kleidungsstücke des Besitzers, die noch nach ihm riechen“, rät [XY]. „Legen Sie diese auf den Schlafplatz oder unter den Futternapf. Das kann helfen, das Tier langsam zu entwöhnen.“

Mitunter kann Trauer auch erst Tage nach dem Tod des Sozialpartners eintreten. Wird zum Beispiel eine kranke Katze in der Tierarztpraxis eingeschläfert, ist das für das andere Tier nicht nachvollziehbar. „Besser wäre es, die Katze zu Hause einschläfern zu lassen oder, wenn der Tierarzt es erlaubt, die tote Katze mitzunehmen“, rät die Katzenpsychologin. „So kann es von den anderen noch mal beschnuppert werden.“


Über den morbiden Unsinn könnte man lachen, aber hier werden doch wieder ahnungslose Katzenfreundinnen um ihr Geld gebracht. Eine Tierhomöopathie wirkt genauso wenig, und ist somit im Grunde Tierquälerei. Die ignorant sadistische Ader tritt in diesem Artikel wieder auf. Und es werden immer wieder Frauen auftauchen, die ihre Beeinflussbarkeit unter Beweis stellen, in dem sie herumposaunen, dass es bei ihrem Tier geholfen hat.

PS: Eine kleine Google-Recherche ergab, dass der Text der Zeitschrift "Geliebte Katze" aus dem Münchner Gong Verlag (WAZ-Gruppe) sagen wir mal "entnommen" ist. Entweder ist es die hohe Kunst der Zweitverwertung, oder etwas ganz unartig Böses. Und wieder ein Beispiel für die nicht so tolle Qualität des Businessportal24, die alles mögliche zur Presseerklärung erklärt.

Montag, November 28, 2005

 

Dreist: Beweislastumkehr im Nebensatz

"NZZ Format" behauptet dreist in einer TV-Programmankündigung: "Das Geheimnis der Homöopathie ist ungelöst. Wie sie wirkt, kann niemand erklären, weder Homöopathen noch Naturwissenschaftler." Das ist schlichtweg falsch.

Naturwissenschaftler können nämlich - nur mit gesundem Menschenverstand und ohne großartig "Experte für Homöopathie" sein zu müssen, wie gern gefordert wird, - durchaus erklären, wie die Homöopathie wirkt. Nämlich gar nicht! Auf einen Wirknachweis wartet man seit geschlagenen 200 Jahren, alle Versuche eine Wirkung nachzuweisen sind bislang fehlgeschlagen.

Die einzigen sicheren Wirkungen der Homöopathie sind übrigens nicht-medizinischer Natur: Abnahme im Geldbeutel des Patienten, Zunahme im Geldbeutel des "Heilers", und wenn das System von Krankenkassen finanziert wird, dann kommt es zu ganz interessanten Effekten, die die Freunde der Marktwirtschaft besser erklären können als ich.

Montag, November 07, 2005

 

Sonderbriefmarke mit Robert Koch

Vor 100 Jahren erhielt Robert Koch den Medizin-Nobelpreis »für seine Forschungen und Entdeckungen auf dem Gebiet der Tuberkulose«. Die Post ehrt ihn mit einer Sonderbriefmarke, die neben seinem Porträt auch sein Mikroskop und ein Bild der Tuberkulose-Erreger zeigt. - Ja, es sind die kleinen bösen Tuberkel, und nicht die homöopathischen Miasmen, die widrigen Winde, die die tödlichen Krankheiten hervorriefen.
Deutsche Post: 100 Jahre Nobelpreis Robert Koch

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