Montag, Januar 30, 2006
Denmark now!

Die spinnen, die Moslems. Ein paar harmlose Karikaturen in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten bildeten den popeligen Anlass, um die Anhänger des pädophilen Propheten gegen die Pressefreiheit der sympathischen dänischen Monarchie vorzugehen. Nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen gab es Business as Usual: Morddrohungen seitens der Ich-mach-dir-billiger-"Religion", doch diesmal reichte eine gespielte Aufregung nicht.
Libyen, nicht gerade bekannt als Wiege der Demokratie, will seine Botschaft in Kopenhagen schließen, im arabischen Raum wird ein Boykott gegen Dänemark organisiert, die bekannte Terror-Organisation Hamas befiehlt dänischen Bürgern ihr besetztes Territorium innerhalb eines Tages zu verlassen, oder sonst. (Und im Nebenzug noch lauthals keifend weitere EU-Millionen für ihren Möchtegernstaat einzufordern, den selbstverwalteten Schwerverbrecherknast aus Drogenbauern, Drogenhändlern, Hobbyraketenbauern, Flugzeugentführern und Pistaziensammlern.) Die saudi-arabischen Internetprofis gehen mit DoS-Angriffen gegen dänische Websites vor, so als hätten sie nur darauf gewartet, provoziert zu spielen. Und was tut das tapfere kleine Dänemark, keine billige Entschuldigung des MP vor den Kamelbeiwohnern, sondern ein freundlicher Hinweis auf ... die Pressefreiheit. Und die dänische Pressefreiheit ist auch meine Freiheit.
Deshalb bin ich gleich losgerannt, und habe ich mit dänischem Lakritz der Marke SPUNK eingedeckt, die guten PRINCE-DENMARK-Zigaretten (Offizielle Zigarette des dänischen Königshauses - es wird Zeit für einen Relaunch des vollständigen Markennamens) eingedeckt, den Abend werde ich mit leckerem Tuborg- oder Carlsberg-Bier ausklingen lassen, dazu einen Aquavit, und den Morgen mit dänischem Frühstücksspeck beginnen.
via Antibürokratieteam, Politically Incorrect, Gegenstimme, Fakten & Fiktionen uvm.
142 Euro von den Todgeweihten
Gut ein Viertel (23.6 %) aller Menschen mit einer Lungenkrebsdiagnose geht mittlerweile auf Anraten von Freunden und Verwandten zum Scharlatan. Die Komplementärforscher von der School of Nursing an der University of Manchester konnten wie gewöhnlich nichts über die Heilung aussagen, aber die Pharma-Marktanalyse ergab, dass pro Lungenkrebsdiagnose monatlich durchschnittlich 142 EUR in die Taschen der Scharlatane fließen.
Alexander Molassiotisa et al.: Complementary and alternative medicine use in lung cancer patients in eight European countries Complementary Therapies in Clinical Practice. Volume 12, Issue 1 , February 2006, Pages 34-39.
Der Lungenkrebs (auch: Bronchialkarzinom), in Deutschland häufigste Krebsart bei Männern, tritt überwiegend zwischen 65 und 70 auf. Jährlich erkranken in Deutschland über 42000 Menschen an Lungenkrebs. (Das ergibt ein Marktvolumen von knapp 72 Mio. Euro.) Als beste Prävention gilt das Nicht-Rauchen.
Der Pneumologenverband äußert sich über die anscheinend oft an die die Lungenfachärzte herangetragene Frage Kann Lungenkrebs nicht durch Naturheilverfahren geheilt werden? wie folgt:
»Naturheilverfahren wie besondere Diäten, Akupunktur usw. haben ihre Wirksamkeit niemals belegen können. [...] Ständig werden neue Verfahren erprobt, die eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit eröffnen könnten. Die Ergebnisse sind in der Fachwelt allerdings durchweg enttäuschend.« [Hervorhebungen v. Humbugtheorie]
Alexander Molassiotisa et al.: Complementary and alternative medicine use in lung cancer patients in eight European countries Complementary Therapies in Clinical Practice. Volume 12, Issue 1 , February 2006, Pages 34-39.
Der Lungenkrebs (auch: Bronchialkarzinom), in Deutschland häufigste Krebsart bei Männern, tritt überwiegend zwischen 65 und 70 auf. Jährlich erkranken in Deutschland über 42000 Menschen an Lungenkrebs. (Das ergibt ein Marktvolumen von knapp 72 Mio. Euro.) Als beste Prävention gilt das Nicht-Rauchen.
Der Pneumologenverband äußert sich über die anscheinend oft an die die Lungenfachärzte herangetragene Frage Kann Lungenkrebs nicht durch Naturheilverfahren geheilt werden? wie folgt:
»Naturheilverfahren wie besondere Diäten, Akupunktur usw. haben ihre Wirksamkeit niemals belegen können. [...] Ständig werden neue Verfahren erprobt, die eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit eröffnen könnten. Die Ergebnisse sind in der Fachwelt allerdings durchweg enttäuschend.« [Hervorhebungen v. Humbugtheorie]
Freitag, Januar 27, 2006
Hurra! Charité will Stellen streichen
Wie das Ärzteblatt berichtet, sollen an der Berliner Charité in diesem Jahr 500 Stellen gestrichen werden. Seitens der Humbugtheorie gibt es da konkrete Vorschläge: Da gibt es beispielsweise am epidemologischen Institut einen Projektbereich Komplementärmedizin. Dort wird unter anderem der Quigong-Unterricht an Berliner Schulen erforscht. Irgendwie stellt sich nicht die Frage, ob dieser Bereich eingespart werden soll, sondern wie es kommt, dass für solchen Humbug überhaupt Geld zur Verfügung gestellt wird.
[Anm. März 06: Die Steuergeldverbrennungsanlage - äh - den »Projektbereich Komplementärmedizin« gibt es weiterhin, die Internetseite wurde umorganisiert, Frau Dr. Becker-Witt nennt sich jetzt nur noch Witt, trägt als stellvertretende Institutsleiterin Finanz- und Personalverantwortung.]
[Anm. März 06: Die Steuergeldverbrennungsanlage - äh - den »Projektbereich Komplementärmedizin« gibt es weiterhin, die Internetseite wurde umorganisiert, Frau Dr. Becker-Witt nennt sich jetzt nur noch Witt, trägt als stellvertretende Institutsleiterin Finanz- und Personalverantwortung.]
Mittwoch, Januar 25, 2006
In der Tierklinik: allergische Katzen
Weil heilt, hat recht. Und wer heilt, hat Cortison. Das zeigt sich auch an einem weiteren Beispiel aus meiner neuen Lieblingslektüre Homeopathy, dem Magazin für Leute, die es verstehen den weißen Kittel zu tragen und lateinische Brocken abzusondern.
Auch Katzen haben Allergie. Man vermutet Flohbisse als Auslöser für die Allergie, in Mediziner-Slang "Eosinophiles Granulom-Komplex". Die Behandlung ist einfach: erst mal gegen Flohbisse absprühen, dann Cortison spritzen, nach 2-3 Monaten ist fast nichts mehr zu sehen.
Doch bei den verdreckten Homöo-Muschis ist natürlich alles anders. »Nein. Meine Katze hat keine Flöhe, die ist ja nur drinnen. Flohspray? Da ist ja Chemie drin, und man muss ja vorsichtig sein wegen der Kinder.« - Die Flöhe breiten sich munter aus und quälen die Katze. Hygiene und Sauberkeit im Haushalt? »Nee, von zuviel Reinlichkeit bekommt man ja Allergie.« Die Katze entwickelt eine Allergie. Woran kann das nur liegen? Erstes Rumfragen im Bekanntenkreis ergibt: die Tiere bekommen eine Cortisonspritze. Aber Cortison kann ja nicht gesund sein. Also hin zum Homöopathen. Der hat Schlangengift und heilt das Tier.
So lässt es auch der höchstwissenschaftliche Artikel Snake remedies and eosinophilic granuloma complex in cats von Ronit Aboutboul erscheinen. Das Abstract verspricht einen unglaublichen Heilerfolg, einen Durchbruch der Medizin, den Whiskas-Nobelpreis für Katzenheilkunde.
Der Eosinophile Granuloma-Komplex (EGC) ist ein Syndrom, das bei Katzen auftritt. Es ist charakterisiert duch Läsionen, die Haut und Mundhöhle befallen. Die konventionelle Behandlung ist nur symptomatisch und kann unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Dieses Papier fasst die homöopathische Behandlung von an EGC-leidenden Katzen mit Schlangengift-Medikamenten zusammen. Die Schlangengift-Medikamente wurden durch individuelles Repertorisieren ausgewählt und in unterschiedlichen Verdünnungen gegeben. Die Reaktionen erfolgten überwiegend schnell, führten zu signifikanten Verbesserungen, vollständiger Heilung inklusive.
So weit so gut. Nur leider unterschlägt der Katzenheiler im Abstract einen wichtigen Punkt, der dem ganzen eine dramatische Wende gibt. In einer anekdotischen Fallstudie verplappert er sich.
Ella, a female cat aged 2.5 years, was brought to the clinic in April 2003, for homeopathic treatment of EGC symptoms from which she had been suffering since the age of 6 months. The symptoms included itching, red lesions between the footpads, erythematous alopecic lesions over the caudal thighs (see Figure 2a), thinning of fur on the abdomen (due to constant licking of the area by the cat), ulcers on the lower lip and alternating swellings of the paws. She was being treated with corticosteroid injections every 1–2 months, whenever these symptoms aggravated.
Ach, die Katze Ella wurde mit dem bösen Cortison gespritzt, und dann wurde sie gesund. Die Schlangengift-Behandlung ist der Bonus, für die gleichzeitig stattfindende konventionelle Medizin.
Wiedermal ein schlampiger, homöopathischer Beweisversuch, der in die Hose ging.
Auch Katzen haben Allergie. Man vermutet Flohbisse als Auslöser für die Allergie, in Mediziner-Slang "Eosinophiles Granulom-Komplex". Die Behandlung ist einfach: erst mal gegen Flohbisse absprühen, dann Cortison spritzen, nach 2-3 Monaten ist fast nichts mehr zu sehen.
Doch bei den verdreckten Homöo-Muschis ist natürlich alles anders. »Nein. Meine Katze hat keine Flöhe, die ist ja nur drinnen. Flohspray? Da ist ja Chemie drin, und man muss ja vorsichtig sein wegen der Kinder.« - Die Flöhe breiten sich munter aus und quälen die Katze. Hygiene und Sauberkeit im Haushalt? »Nee, von zuviel Reinlichkeit bekommt man ja Allergie.« Die Katze entwickelt eine Allergie. Woran kann das nur liegen? Erstes Rumfragen im Bekanntenkreis ergibt: die Tiere bekommen eine Cortisonspritze. Aber Cortison kann ja nicht gesund sein. Also hin zum Homöopathen. Der hat Schlangengift und heilt das Tier.
So lässt es auch der höchstwissenschaftliche Artikel Snake remedies and eosinophilic granuloma complex in cats von Ronit Aboutboul erscheinen. Das Abstract verspricht einen unglaublichen Heilerfolg, einen Durchbruch der Medizin, den Whiskas-Nobelpreis für Katzenheilkunde.
Der Eosinophile Granuloma-Komplex (EGC) ist ein Syndrom, das bei Katzen auftritt. Es ist charakterisiert duch Läsionen, die Haut und Mundhöhle befallen. Die konventionelle Behandlung ist nur symptomatisch und kann unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Dieses Papier fasst die homöopathische Behandlung von an EGC-leidenden Katzen mit Schlangengift-Medikamenten zusammen. Die Schlangengift-Medikamente wurden durch individuelles Repertorisieren ausgewählt und in unterschiedlichen Verdünnungen gegeben. Die Reaktionen erfolgten überwiegend schnell, führten zu signifikanten Verbesserungen, vollständiger Heilung inklusive.
So weit so gut. Nur leider unterschlägt der Katzenheiler im Abstract einen wichtigen Punkt, der dem ganzen eine dramatische Wende gibt. In einer anekdotischen Fallstudie verplappert er sich.
Ella, a female cat aged 2.5 years, was brought to the clinic in April 2003, for homeopathic treatment of EGC symptoms from which she had been suffering since the age of 6 months. The symptoms included itching, red lesions between the footpads, erythematous alopecic lesions over the caudal thighs (see Figure 2a), thinning of fur on the abdomen (due to constant licking of the area by the cat), ulcers on the lower lip and alternating swellings of the paws. She was being treated with corticosteroid injections every 1–2 months, whenever these symptoms aggravated.
Ach, die Katze Ella wurde mit dem bösen Cortison gespritzt, und dann wurde sie gesund. Die Schlangengift-Behandlung ist der Bonus, für die gleichzeitig stattfindende konventionelle Medizin.
Wiedermal ein schlampiger, homöopathischer Beweisversuch, der in die Hose ging.
Dienstag, Januar 24, 2006
Logfile-Strandgut
Ein Apologet der Homöos, nennen wir ihn CF, typischer Wikipedia-Infiltrant und klickgeiler SIF (Single Issue Fanatic), spült, wie man den Logfiles entnehmen kann, einmal pro Monat einen dieser Berufssurfer aus den Büros der Homöopharmazeuten auf diese bösen, bösen unausgewogenen Seiten. CF hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Homöokritiker zu kritisieren. Sein schlappes Argument, das er anführt, ist folgendes: Weil die Homöo-Kritiker keine Ausbildung zum Homöopathen hätten, wären sie nicht zu einer Kritik der Homöopathie qualifiziert.
Dies ist ein klassisches Ad-hominem-Argument, allgemein bekannt als Denkfehler. Aber Denkfehler stören die Gestörten nicht, sondern sind die Grundlage fantastischer ganzheitlicher Weltbilder. CF, der auch noch eine Verschwörung der Homöo-Kritiker wähnt, der den Unterschied zwischen Lyrik und Prosa nicht kennt, fährt fort mit seinen Irrtümern, und sein Ad-hom lautet: diese Leute wären zu blöd, um in so (schief) angesehenen Blättern wie Homeopathy, Complementary Medicine oder in der Postille Forschende Komplementärmedizin zu veröffentlichen.
Man werfe einen Blick zurück auf die Wissenschaftsschaupieler:
1 Bei Homeopathy, 94, 3, Juli 2005, Seiten 145-152 beginnen Katz, Katz, Fisher, Davidson und Feder (Fünf! "Forscher") eine "Studie" mit dem Titel The feasibility of a randomises, placebo-controlled clinical trial of homeopathic treatment of depression in general practice durch. Homöopathie, Depression, wissenschaftliche Standards könnte man denken, eine echte RCT-Studie. Aber man lese nur das Abstract:
A recruitment calculation indicated that over 230 suitable patients would be expected to attend the practice during the recruitment phase. Thirty one patients were referred for possible inclusion in the trial by their GPs. Twenty three met the entry criteria, 11 were randomised and 6 completed the study. Of the completers, one received homeopathy, 2 placebo and 3 Fluoxetine.
Welch eine Frechheit! Teilnehmerzahl n=6, aufgeteilt in drei Gruppen. 1 (in Worten EINER bekommt Homöo, 2 (in Worten ZWEI) erhalten Placebo und 3 (in Worten DREI) das gute Prozac. Das nennt man die Farce einer Studie! In seriösen Zeitschriften wandert sowas gleich ins Altpapier, aber in Homeopathy wird der Schrott noch abgedruckt.
2 Bei der Forschenden Komplementärmedizin sieht es kaum besser aus: Der aktuelle Aufmacher ist Physicians’ Philosophy of Care: A Comparison of Complementary and Conventional Medicine von F. Marian; M. Widmer; S. Herren; A. Dönges; A. Busato. Hier bezahlt anscheinend die Schweizer Regierung eine Gesinnungsprüfung an 623 praktizierenden Allgemeinmedizinern, die von den "Forschern" Fragebögen zugeschickt bekommen, ob sie eher holistisch oder eher positivistisch an die Sache rangehen. Das Ergebnis: ein Reichtum an Daten. Nur leider sagen sie nichts aus. Die "Forscher" schließen ihr Summary mit der frechen Forderung nach mehr Geld. »Implications of the study with regard to quality of care as well as ethical and health policy issues should be investigated further.«
3 Auch bei Complementary Therapies bleibt Skepsis angesagt. Diese Publikation hat zwar immerhin einen Impact Factor. Doch was wird geforscht? Ob die "alternative" "Medizin" noch einen anderen Effekt außer Geldbeutelerleichterung hat? Das Ergebnis: Nein, aber die Geldbeutelerleichterung ist deutlich geringer als bei richtigen Medikamenten. Das finden heraus Witt, C.; Keil, T.; Selim, D.; Roll, S.; Vance, W.; Wegscheider, K.; Willich, S.N. Outcome and costs of homoeopathic and conventional treatment strategies: A comparative cohort study in patients with chronic disorders Complementary Therapies in Medicine, Volume 13, Issue 2, 1 June 2005, Pages 79-86 (Über die chronischen Krankheiten a la fettige Haare, Fingernagelwachstum, Schweiß nach Bewegung und erhöhter Ohrenschmalz hatte ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen. In dieser Studie dürfen die Homöopathen ihren Heilerfolg selbst einschätzen. Und siehe da, die Homöopathen haben ihren Heilerfolg besser eingeschätzt als die richtigen Ärzte. Dass die Charité-Typen noch einen richtigen Professor aus Hamburg brauchen, um das Statistik-Programm anzuschmeißen, spricht Bände.)
Man muss kein Studium absolviert haben, um diese zusammengestümperten Arbeiten, die die Intelligenz durchschnittlicher Bürger beleidigen, kritisieren zu können. Das ist Kindergartenniveau!
Dies ist ein klassisches Ad-hominem-Argument, allgemein bekannt als Denkfehler. Aber Denkfehler stören die Gestörten nicht, sondern sind die Grundlage fantastischer ganzheitlicher Weltbilder. CF, der auch noch eine Verschwörung der Homöo-Kritiker wähnt, der den Unterschied zwischen Lyrik und Prosa nicht kennt, fährt fort mit seinen Irrtümern, und sein Ad-hom lautet: diese Leute wären zu blöd, um in so (schief) angesehenen Blättern wie Homeopathy, Complementary Medicine oder in der Postille Forschende Komplementärmedizin zu veröffentlichen.
Man werfe einen Blick zurück auf die Wissenschaftsschaupieler:
1 Bei Homeopathy, 94, 3, Juli 2005, Seiten 145-152 beginnen Katz, Katz, Fisher, Davidson und Feder (Fünf! "Forscher") eine "Studie" mit dem Titel The feasibility of a randomises, placebo-controlled clinical trial of homeopathic treatment of depression in general practice durch. Homöopathie, Depression, wissenschaftliche Standards könnte man denken, eine echte RCT-Studie. Aber man lese nur das Abstract:
A recruitment calculation indicated that over 230 suitable patients would be expected to attend the practice during the recruitment phase. Thirty one patients were referred for possible inclusion in the trial by their GPs. Twenty three met the entry criteria, 11 were randomised and 6 completed the study. Of the completers, one received homeopathy, 2 placebo and 3 Fluoxetine.
Welch eine Frechheit! Teilnehmerzahl n=6, aufgeteilt in drei Gruppen. 1 (in Worten EINER bekommt Homöo, 2 (in Worten ZWEI) erhalten Placebo und 3 (in Worten DREI) das gute Prozac. Das nennt man die Farce einer Studie! In seriösen Zeitschriften wandert sowas gleich ins Altpapier, aber in Homeopathy wird der Schrott noch abgedruckt.
2 Bei der Forschenden Komplementärmedizin sieht es kaum besser aus: Der aktuelle Aufmacher ist Physicians’ Philosophy of Care: A Comparison of Complementary and Conventional Medicine von F. Marian; M. Widmer; S. Herren; A. Dönges; A. Busato. Hier bezahlt anscheinend die Schweizer Regierung eine Gesinnungsprüfung an 623 praktizierenden Allgemeinmedizinern, die von den "Forschern" Fragebögen zugeschickt bekommen, ob sie eher holistisch oder eher positivistisch an die Sache rangehen. Das Ergebnis: ein Reichtum an Daten. Nur leider sagen sie nichts aus. Die "Forscher" schließen ihr Summary mit der frechen Forderung nach mehr Geld. »Implications of the study with regard to quality of care as well as ethical and health policy issues should be investigated further.«
3 Auch bei Complementary Therapies bleibt Skepsis angesagt. Diese Publikation hat zwar immerhin einen Impact Factor. Doch was wird geforscht? Ob die "alternative" "Medizin" noch einen anderen Effekt außer Geldbeutelerleichterung hat? Das Ergebnis: Nein, aber die Geldbeutelerleichterung ist deutlich geringer als bei richtigen Medikamenten. Das finden heraus Witt, C.; Keil, T.; Selim, D.; Roll, S.; Vance, W.; Wegscheider, K.; Willich, S.N. Outcome and costs of homoeopathic and conventional treatment strategies: A comparative cohort study in patients with chronic disorders Complementary Therapies in Medicine, Volume 13, Issue 2, 1 June 2005, Pages 79-86 (Über die chronischen Krankheiten a la fettige Haare, Fingernagelwachstum, Schweiß nach Bewegung und erhöhter Ohrenschmalz hatte ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen. In dieser Studie dürfen die Homöopathen ihren Heilerfolg selbst einschätzen. Und siehe da, die Homöopathen haben ihren Heilerfolg besser eingeschätzt als die richtigen Ärzte. Dass die Charité-Typen noch einen richtigen Professor aus Hamburg brauchen, um das Statistik-Programm anzuschmeißen, spricht Bände.)
Man muss kein Studium absolviert haben, um diese zusammengestümperten Arbeiten, die die Intelligenz durchschnittlicher Bürger beleidigen, kritisieren zu können. Das ist Kindergartenniveau!
Peta mordet Hunde, Katzen, Welpen

Irgendwelche Spacken finden die ja immer noch gut. Und deutsche Semiprominente, die sich mal irgendwie engagieren wollen, aber nicht den richtigen Mut finden, in Teheran persönlich gegen eine Frauen-Steinigung anzutreten. (Ach, das waren noch Zeiten, als die Rote Heidi (Wieczoreck-Zeul) sich in den Kutter gesetzt hat und das Muroroa-Atoll retten wollte.) Da ist eine kuschelige Peta-Gala mit Bio-Prosecco, Models und Pressefotografen doch deutlich netter.
Doch was hören wir aus den bösen USA: “Last year PETA’s income exceeded $29 million,” said Center for Consumer Freedom Director of Research David Martosko, “but PETA kills over 80 percent of the flesh-and-blood creatures it takes in -- including puppies, kittens, and other adoptable animals.
Für die Leute, die als erste Fremdsprache Russisch hatten: »Im Vorjahr übertraf das Einkommen von Peta 29 Millionen Dollar. Trotzdem werden über 80 Prozent aller aufgenommenen Tiere, inklusive Welpen, Kätzchen und andere vermittelbare Tiere, getötet. Dies sagte David Martosko, Forschungsleiter des Center for Consumer Freedom.«
Ach, und natürlich darf man den Höhepunkt des perversen, mediengeilen Schwachsinns nicht vergessen: Im Jahr 2003 schickte Peta-Tusse Ingrid Newkirk einen Brief an Arafat (der irre Serienmörder mit der EU-alimentierten edelshoppenden Pelz-Gattin in Paris), er möge doch dafür Sorge tragen, dass seine Zweibeiner-Bomben keine vierfüßigen Tiere mit in den Tod reißen.
Vielen Dank an Tomislav, Ökologismus.de und die Peta-kritische Seite Peta kills Animals.
Der Cholesterin-Mythos

Die Margarine-Industrie ist Kind des Krieges. Der billige Ersatzstoff hat auch nach Einstellung des Feuers weiterhin zwei Feinde: die gute Butter und das leckere Olivenöl. Im Kalten Krieg der Fettverkäufer wird jetzt, da der Endverbraucher keine Lebensmittelkarten mehr erhält, sondern sich unverschämterweise mit echtem Geld für verschiedene Produkte entscheiden darf, auf das taktische Mittel der Propaganda gesetzt.
Doch es gibt die Wunderwaffen der chemischen Industrie: Cholesterin. Jedes komplizierte Problem hat eine Lösung. Sie ist einfach, direkt, verständlich und ... falsch. So eröffnet Dr. Malcolm Kendrick seinen Artikel über den Großen Cholesterin-Mythos im Slate-Magazin.
Nur zur Erinnerung: der Cholesterin-Spiegel wird auf KK-Kosten bei jeder Blutuntersuchung routinemäßig mitgemessen. Der Cholesterin-Spiegel im Blut ist bei fast jedem Bundesbürger nach Angabe von "Experten" "zu hoch". Und regelmäßig bekommt man als Arzt-Kunde zu hören, dass das "Cholesterin" zu hoch sei, man müsse was die "Ernährung" ändern.
Einige Fakten passen da gar nicht ins Bild.
1 Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Cholesteringehalt in der Nahrung und dem Cholesterinspiegel im Blut!
2 Ein erhöhter Gesamt-Cholesterinspiegel bei Frauen ist kein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen.
Die Geschichte und den aktuellen Kenntnisstand referiert Dr kendrick in dem bereits erwähnten Slate-Artikel. Er ist Mitglied einer wachsenden Gruppe von Cholesterin-Skeptikern, die sich auf der Website thincs.org austauscht. Lesenswert!
Freitag, Januar 20, 2006
PISA für Journalisten
Das Wall Street Journal Online berichtet über den "Zahlentyp" Richard Holden, der sich den falschen Zahlen in den Nachrichten verschrieben hat und Seminare für Journalisten über den sensiblen Umgang mit Zahlen gibt. Abschließend ein kleines Quiz. Was ist falsch? (Humbugs Liebling: die Gletscher)
1. Boosting the state's economy was a central tenet of Governor Smith's campaign as a challenger in the 2002 election. His supporters note that statewide economic growth of 3.5% in 2004 was a new record under Gov. Smith.
2. A crowd of 93,356 saw the U.S. women's soccer team beat China, 1-0, to clinch the World Cup. That was the largest crowd to witness a women's athletic event since the 1996 soccer final at the Atlanta Olympic Games, which drew a record 84,975 fans.
3. Visa announced that its new credit card will carry an adjustable rate set monthly at four percent above the prime rate, in line with other variable-rate cards.
4. The glaciers that span much of Greenland are melting quickly; one of them has more than doubled in speed, moving at a rate of 5.2 miles an hour, compared with 2.3 miles an hour a year earlier.
5. College grades carry the most weight, making up 56% of the final score. Fourteen percent is composed of test scores, recommendations and activities. The final 29% comes from 10 other criteria.
6. Since the displaced soil had a volume of more than 450,000 square yards, construction required many cranes.
7. The charity said it would keep 30% of the funds it raises, with the remaining 70% divided as follows: grants to professors, 35%; grants to students, 20%, and grants to universities, 15%.
8. Battling Hunger, a food pantry, said it delivered 110,000 tons of food to Detroit last Thanksgiving. The food was delivered to help residents there overcome the effects of a severe economic slump, particularly in the automobile industry.
9. The football program has a 100% graduation rate, near the top of Division 1 colleges. The national average is below 50%.
10. Chipper Jones is batting just .176 in 85 at-bats with the Braves. But he has had more success as a pinch hitter, with five hits in 30 at-bats, including one that clinched a playoff spot.
Die Kolumnen von Carl Bialik gibt es beim Numbers Guy.
1. Boosting the state's economy was a central tenet of Governor Smith's campaign as a challenger in the 2002 election. His supporters note that statewide economic growth of 3.5% in 2004 was a new record under Gov. Smith.
2. A crowd of 93,356 saw the U.S. women's soccer team beat China, 1-0, to clinch the World Cup. That was the largest crowd to witness a women's athletic event since the 1996 soccer final at the Atlanta Olympic Games, which drew a record 84,975 fans.
3. Visa announced that its new credit card will carry an adjustable rate set monthly at four percent above the prime rate, in line with other variable-rate cards.
4. The glaciers that span much of Greenland are melting quickly; one of them has more than doubled in speed, moving at a rate of 5.2 miles an hour, compared with 2.3 miles an hour a year earlier.
5. College grades carry the most weight, making up 56% of the final score. Fourteen percent is composed of test scores, recommendations and activities. The final 29% comes from 10 other criteria.
6. Since the displaced soil had a volume of more than 450,000 square yards, construction required many cranes.
7. The charity said it would keep 30% of the funds it raises, with the remaining 70% divided as follows: grants to professors, 35%; grants to students, 20%, and grants to universities, 15%.
8. Battling Hunger, a food pantry, said it delivered 110,000 tons of food to Detroit last Thanksgiving. The food was delivered to help residents there overcome the effects of a severe economic slump, particularly in the automobile industry.
9. The football program has a 100% graduation rate, near the top of Division 1 colleges. The national average is below 50%.
10. Chipper Jones is batting just .176 in 85 at-bats with the Braves. But he has had more success as a pinch hitter, with five hits in 30 at-bats, including one that clinched a playoff spot.
Die Kolumnen von Carl Bialik gibt es beim Numbers Guy.
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DIE ALTE PHANTOM: ZU GAST BEI FREUNDEN"Wenn die Donnervögel kreisen" überschreibt die SZ einen Bericht über den Einsatz einer Alarmrotte der Luftwaffe zur Sicherung der WM. Das hört sich nach viel an, im Artikel ist von lediglich 2 mal 2 Phantoms (s.li) die Rede. Angeteasert wird der Artikel auf der SZ-Startseite aber mit einem Eurofighter. Zu den Phantoms: Sie sind anno 1958 das erste Mal geflogen, also technisch knapp ein halbes Jahrhundert alt.
Der Autor Peter Blechschmidt schreibt: Alarmrotten sind so alt wie die Nato. Früher sollten sie dem bösen Feind aus dem Osten ersten Widerstand leisten. Das ist mit Verlaub gesagt Sarkasmus, etwas treffender ist vielleicht die angelsächsische Bezeichnung knee-jerk irony. Da aber in D niemand Ironie versteht: Die Aufgabe der Alarmrotten bestand darin, den Luftraum gegen Angreifer zu VERTEIDIGEN.
So ein persönlicher Kommentar hat eigentlich nichts in einem journalistischen Bericht zu suchen. Oder wie man bei BR-Online im 1x1 des Journalismus weiß: Die strikte Trennung von Information und Kommentar gehört heute zum Ethos aller soliden Blätter und Sender. So gehören Fakten in die tatsachenorientierten Formen wie Nachricht, Bericht, Reportage, Feature oder auch Dokumentation. Meinung oder persönliche Einschätzung hingegen haben ihren Platz in Kommentar, Glosse, Kritik, Leitartikel oder Kolumne. Quelle: BR-Online, Wissen & Bildung
Donnerstag, Januar 19, 2006
Unternehmer? Hamburgs irre Taxifahrer
In Hamburg pöbeln die Taxi-Unternehmer. Der Grund: Ab März 2006 sollen die Taxen, die am Flughafen Fahrgäste aufnehmen, eine Gebühr von acht Euro monatlich bezahlen. Zudem 35 Cent pro Fahrt. Die Einfahrt in die Taxi-Schneise, mit Platz für rund 300 Fahrzeuge, ist dann nur noch durch eine neue Schranke möglich. "Nur wer unsere Qualitätsvereinbarung unterschreibt, wird zugelassen", sagt Flughafensprecherin Stefanie Koall zum Abendblatt. Denn zusätzlich zu den Gebühren, müssen die Taxifahrer zum Beispiel ein Kreditkarten-Lesegerät anschaffen. Außerdem muß das "Auto innen und außen in einem gepflegten Zustand sein", so Koall weiter. Das sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern anscheinend unannehmbare und "strenge" Qualitätsanforderungen an Hamburgs Taxi-Fahrer, die das lukrative Revier am Rande der Stadt abgrasen.
Über 100 Beschwerden erhält der Flughafen pro Jahr bezüglich der Taxi-Fahrer. Das ist viel, schließlich hakt man einen nervigen Taxifahrer ja meist als "persönliches Pech" ab, oder man beschwert sich direkt bei der Taxi-Zentrale, aber beim Flughafen?
Bisher sammeln sich die "schwarzen Schafe" der Taxibranche vor allem am Flughafen und am Hauptbahnhof, weil sie keiner Funkzentrale angeschlossen sind. Zumindest von einem Standplatz würden sie somit verdrängt werden. "Wir wollen eine Qualitätssicherung durch Verdrängung", sagt [der verkehrspolitische Sprecher der CDU, mein Held, erg. Hobe] Hesse dazu unverblümt. Quelle: Welt 15.10.2005
Das Abendblatt analysiert: Die Zahl von rund 3600 Taxis in der Stadt führe dazu, daß manche Fahrer gerade 3 Euro pro Stunde verdienten, weil es einfach zu viele Fahrzeuge gebe. Richtig, das nennt man Angebot und Nachfrage.
Was hat der Flughafen damit zu tun? Zum Nachlesen, die Hamburger Taxiordnung.
Noch ein Tipp: Wenn du durch die Tiefgarage des CCH fährst, dann wirst du gerade verarscht! Und: Nimm niemals die Taxis, die auf der CCH-Seite des Dammtorbahnhofs stehen!
Über 100 Beschwerden erhält der Flughafen pro Jahr bezüglich der Taxi-Fahrer. Das ist viel, schließlich hakt man einen nervigen Taxifahrer ja meist als "persönliches Pech" ab, oder man beschwert sich direkt bei der Taxi-Zentrale, aber beim Flughafen?
Bisher sammeln sich die "schwarzen Schafe" der Taxibranche vor allem am Flughafen und am Hauptbahnhof, weil sie keiner Funkzentrale angeschlossen sind. Zumindest von einem Standplatz würden sie somit verdrängt werden. "Wir wollen eine Qualitätssicherung durch Verdrängung", sagt [der verkehrspolitische Sprecher der CDU, mein Held, erg. Hobe] Hesse dazu unverblümt. Quelle: Welt 15.10.2005
Das Abendblatt analysiert: Die Zahl von rund 3600 Taxis in der Stadt führe dazu, daß manche Fahrer gerade 3 Euro pro Stunde verdienten, weil es einfach zu viele Fahrzeuge gebe. Richtig, das nennt man Angebot und Nachfrage.
Was hat der Flughafen damit zu tun? Zum Nachlesen, die Hamburger Taxiordnung.
Noch ein Tipp: Wenn du durch die Tiefgarage des CCH fährst, dann wirst du gerade verarscht! Und: Nimm niemals die Taxis, die auf der CCH-Seite des Dammtorbahnhofs stehen!
Korrelation ist nicht Kausalität
Kewil, unermüdlicher Blogger von Fakten und Fiktionen fiel ein ganz besonderer Humbug auf. Die Legalisierung der Abtreibung in einigen Bundesstaaten der USA wird als Ursache der verringerten Kriminalität angenommen.
Theorien über die Ursachen der Kriminalität gibt es viele. Die Foucaultsche Glaubensrichtung glaubt, Kriminalität gäbs in einem metaphysisch-quantendynamischen Sinne gar nicht, sozialdemokratisch angehauchte Theorien halten Kriminalität für ein Phänomen, das man mit großzügigen Geldgaben an die Kriminellen bekämpfen muss, christliche Ansätze beziehen sich aus "das Böse" und den "Freien Willen", Liberale mögen vielleicht ökonomische Ansätze (Verbrechen lohnt sich, wenn...) präferieren. Biologen können Testosteron-Spiegel messen, Mediziner die Schilddrüsenfunktion, Genetiker auf ein zusätzliches Y-Chromoson verweisen.
Dass die (absolute!) Kriminalität, die Anzahl der Straftaten, sinkt, wenn es weniger potentielle Täter gibt, ist allerdings ein trivialer Zusammenhang, so wie es keine Autounfälle mehr gibt, wenn die zugelassene Höchstgeschwindigkeit 0 km/h beträgt. Von Interesse ist jedoch die Kriminalitätsrate, dh. die Anzahl von Verbrechen pro 100 000 Einwohner.
Der folgende Satz aus dem Welt-Artikel, Vorabdruck aus dem Buch Freakonomics, ist mit Skepsis zu betrachten.
Die Mordrate bei Teenagern verdoppelte sich nicht, sie stieg nicht einmal um die von James Alan Fox vorhergesagten 15 Prozent, sondern sank innerhalb von fünf Jahren um mehr als 50 Prozent. Quelle: Welt (Hervorhebung von Humbugtheorie)
Die wichtigste offene Frage des Welt-Artikels ist, was meint James A. Fox mit "Mordrate bei Teenagern?", denn an deren Definition hängt der ganze Artikel. Ist es der Anteil der Teenager an den verurteilten Mördern? Ist es der Anteil der wegen Mordes verurteilten Teenager an sämtlichen Teenagern. Ist es der Anteil der wegen Mordes verurteilten Teenager an sämtlichen Einwohnern?
Nachtrag: die Verbrechensstatistik befindet sich hier, beim Bureau of Justice Statistics. Die Zahlen beziehen sich auf Anteil der Straftaten per 100000 Einwohner. Die gesunkene Teenagermorde sind daher ein Effekt, der auf den gesunken Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung zurückgeht. Vergleichbare Zahlen könnte man erreichen, wenn man diese Statistiken mit einem demographischen Faktor multipliziert.
Die interessanteste Grafik ist jedoch die über das Durchschnittsalter von Mördern und Opfern. Sie ist erstaunlich konstant!
Theorien über die Ursachen der Kriminalität gibt es viele. Die Foucaultsche Glaubensrichtung glaubt, Kriminalität gäbs in einem metaphysisch-quantendynamischen Sinne gar nicht, sozialdemokratisch angehauchte Theorien halten Kriminalität für ein Phänomen, das man mit großzügigen Geldgaben an die Kriminellen bekämpfen muss, christliche Ansätze beziehen sich aus "das Böse" und den "Freien Willen", Liberale mögen vielleicht ökonomische Ansätze (Verbrechen lohnt sich, wenn...) präferieren. Biologen können Testosteron-Spiegel messen, Mediziner die Schilddrüsenfunktion, Genetiker auf ein zusätzliches Y-Chromoson verweisen.
Dass die (absolute!) Kriminalität, die Anzahl der Straftaten, sinkt, wenn es weniger potentielle Täter gibt, ist allerdings ein trivialer Zusammenhang, so wie es keine Autounfälle mehr gibt, wenn die zugelassene Höchstgeschwindigkeit 0 km/h beträgt. Von Interesse ist jedoch die Kriminalitätsrate, dh. die Anzahl von Verbrechen pro 100 000 Einwohner.
Der folgende Satz aus dem Welt-Artikel, Vorabdruck aus dem Buch Freakonomics, ist mit Skepsis zu betrachten.
Die Mordrate bei Teenagern verdoppelte sich nicht, sie stieg nicht einmal um die von James Alan Fox vorhergesagten 15 Prozent, sondern sank innerhalb von fünf Jahren um mehr als 50 Prozent. Quelle: Welt (Hervorhebung von Humbugtheorie)
Die wichtigste offene Frage des Welt-Artikels ist, was meint James A. Fox mit "Mordrate bei Teenagern?", denn an deren Definition hängt der ganze Artikel. Ist es der Anteil der Teenager an den verurteilten Mördern? Ist es der Anteil der wegen Mordes verurteilten Teenager an sämtlichen Teenagern. Ist es der Anteil der wegen Mordes verurteilten Teenager an sämtlichen Einwohnern?
Nachtrag: die Verbrechensstatistik befindet sich hier, beim Bureau of Justice Statistics. Die Zahlen beziehen sich auf Anteil der Straftaten per 100000 Einwohner. Die gesunkene Teenagermorde sind daher ein Effekt, der auf den gesunken Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung zurückgeht. Vergleichbare Zahlen könnte man erreichen, wenn man diese Statistiken mit einem demographischen Faktor multipliziert.
Die interessanteste Grafik ist jedoch die über das Durchschnittsalter von Mördern und Opfern. Sie ist erstaunlich konstant!Humbug in der Lokalpolitik
These: Wer Humbug mit Unfug verwechselt, fährt meist mit logischen Humbug fort. Ein Beispiel aus dem Sächsischen.
Bad Lausick. … In Sachsen-Anhalt droht Gemeinderäten und Bürgermeistern der Prozess, weil sie sich … weigern, Straßenausbau-Beiträge von ihren Bürgern einzufordern. … Müssen … die Parlamentarier damit rechnen, vor Gericht zu enden? …
Frage: In Sachsen-Anhalt greift der Gesetzgeber durch. Bereitet Ihnen das Sorge?
Günter L.: Nein. Aus meiner Sicht ist das Humbug. Ein Buhmann ist immer schnell gefunden. Wir versuchen als Stadträte doch, das Beste für unsere Bürger rauszuholen. Das ist unsere Aufgabe. Machen wir das nicht, versagen wir in den Augen unserer Wähler. Quelle: LVZ-Online
Die rechtlichen Beziehungen zwischen Land und Kommune sind sehr kompliziert. Der Lokalpolitiker Günter L. schweigt sich aber über den Vorwurf des Rechtsbruchs aus und lenkt vom Thema ab. Das Beste für die Bürger darf in einem Rechtsstaat jedoch keinen Rechtsbruch beinhalten. Die Rechtsstaatlichkeit hat einen deutlich höheren Stellenwert als eine geschenkte Straße für nur einige Bürger.
Bad Lausick. … In Sachsen-Anhalt droht Gemeinderäten und Bürgermeistern der Prozess, weil sie sich … weigern, Straßenausbau-Beiträge von ihren Bürgern einzufordern. … Müssen … die Parlamentarier damit rechnen, vor Gericht zu enden? …
Frage: In Sachsen-Anhalt greift der Gesetzgeber durch. Bereitet Ihnen das Sorge?
Günter L.: Nein. Aus meiner Sicht ist das Humbug. Ein Buhmann ist immer schnell gefunden. Wir versuchen als Stadträte doch, das Beste für unsere Bürger rauszuholen. Das ist unsere Aufgabe. Machen wir das nicht, versagen wir in den Augen unserer Wähler. Quelle: LVZ-Online
Die rechtlichen Beziehungen zwischen Land und Kommune sind sehr kompliziert. Der Lokalpolitiker Günter L. schweigt sich aber über den Vorwurf des Rechtsbruchs aus und lenkt vom Thema ab. Das Beste für die Bürger darf in einem Rechtsstaat jedoch keinen Rechtsbruch beinhalten. Die Rechtsstaatlichkeit hat einen deutlich höheren Stellenwert als eine geschenkte Straße für nur einige Bürger.
Mittwoch, Januar 18, 2006
Humbug kompakt: 13, Rael, Sloterdijk-Rezeption
Hoppla, da wurde doch ein wichtiger Termin verpasst. Freitag, der 13., der Unglückstag, der Tag an dem man das lustige Wort Triskaidekaphobia schreiben könnte. Der Autor saß mit dem Neffen in der Colorline-Arena und man hätte eine billige Ausrede gehabt, wenn die Siegesserie der Freezers abgerissen wäre. Das fand aber nicht statt. Am Freitag, den 13. feierte das Hamburger Eishockeyteam seinen neunten Sieg in Folge.
Die lustige aber extrem durchgeknallte Klon-Sekte der Raelianer, die die liebliche DNA-Helix als mystisches Symbol verwendet, hat einen neuen PR-Coup gelandet. Sie bietet - Medienberichten zufolge - dem koreanischen Klon-Fälscher einen neuen Arbeitsplatz an. Hwang, der wie die Raelianer behauptet hatte, einen Menschenklon erzeugt zu haben, wurde der Fälschung seiner Arbeiten überführt. Die Raelianer werden eh nicht ernst genommen.
Hier gab es lange nichts mehr über Sloterdijk, den vielzitierten. Jetzt taucht er in den Logfiles dieses Blogs auf. Grund genug mal wieder in den Google-News nach dem Meister Ausschau zu halten. Da ist er ja schon, diesmal als philosophisches Salz mit dem der Feuilletonist Tom Mustroph seinen Promoartikel für das Tanztheaterstück "Replacement" würzt.
Sloti, meint der Tom, soll gesagt haben, der Mensch wäre mehre tausend Jahre lang domestiziert worden. In dem Tanztheaterstück würden die Darsteller jetzt verwildern. ERGO, schließt Tom-Boy dialektisch falsch: Sloterdijk hätte seine helle Freude an dem Theaterstück "Replacement".
Wenn man schreiben würde, Homöopathie ist scheiße, dann hätte man keineswegs die "helle Freude" an jemandem, der das genaue Gegenteil behauptet. Aber solch eine Logik, die aus oben unten macht, aus links rechts und aus Opfern Täter, die findet sich billig und zweitverwertet in Frankfurter Rundschau und Neuem Deutschland.
Im ND mit der Unterzeile: "Fulminantes Debüt der Choreografin Meg Stuart..." Für Nicht-Journalisten: "Fulminant" steht seit der Veröffentlichung von Gustave Flauberts Wörterbuch der Gemeinplätze auf dem Index der Journalisten verbotenen Worte. Seine Gefühle beschrieb der Skandalautor Flaubert so:
Ich empfinde Hass auf die Dummheit meiner Epoche, ganze Fluten von Hass, die mich ersticken. Scheiße steigt mir hoch wie bei einem eingeklemmten Bruch, bis in den Mund. Aber ich will sie bei mir behalten, sie eindicken und daraus einen Brei machen, mit dem ich das 19. Jahrhundert beschmieren werde, wie man die indischen Pagoden mit Kuhfladen vergoldet.
Die lustige aber extrem durchgeknallte Klon-Sekte der Raelianer, die die liebliche DNA-Helix als mystisches Symbol verwendet, hat einen neuen PR-Coup gelandet. Sie bietet - Medienberichten zufolge - dem koreanischen Klon-Fälscher einen neuen Arbeitsplatz an. Hwang, der wie die Raelianer behauptet hatte, einen Menschenklon erzeugt zu haben, wurde der Fälschung seiner Arbeiten überführt. Die Raelianer werden eh nicht ernst genommen.
Hier gab es lange nichts mehr über Sloterdijk, den vielzitierten. Jetzt taucht er in den Logfiles dieses Blogs auf. Grund genug mal wieder in den Google-News nach dem Meister Ausschau zu halten. Da ist er ja schon, diesmal als philosophisches Salz mit dem der Feuilletonist Tom Mustroph seinen Promoartikel für das Tanztheaterstück "Replacement" würzt.
Sloti, meint der Tom, soll gesagt haben, der Mensch wäre mehre tausend Jahre lang domestiziert worden. In dem Tanztheaterstück würden die Darsteller jetzt verwildern. ERGO, schließt Tom-Boy dialektisch falsch: Sloterdijk hätte seine helle Freude an dem Theaterstück "Replacement".
Wenn man schreiben würde, Homöopathie ist scheiße, dann hätte man keineswegs die "helle Freude" an jemandem, der das genaue Gegenteil behauptet. Aber solch eine Logik, die aus oben unten macht, aus links rechts und aus Opfern Täter, die findet sich billig und zweitverwertet in Frankfurter Rundschau und Neuem Deutschland.
Im ND mit der Unterzeile: "Fulminantes Debüt der Choreografin Meg Stuart..." Für Nicht-Journalisten: "Fulminant" steht seit der Veröffentlichung von Gustave Flauberts Wörterbuch der Gemeinplätze auf dem Index der Journalisten verbotenen Worte. Seine Gefühle beschrieb der Skandalautor Flaubert so:
Ich empfinde Hass auf die Dummheit meiner Epoche, ganze Fluten von Hass, die mich ersticken. Scheiße steigt mir hoch wie bei einem eingeklemmten Bruch, bis in den Mund. Aber ich will sie bei mir behalten, sie eindicken und daraus einen Brei machen, mit dem ich das 19. Jahrhundert beschmieren werde, wie man die indischen Pagoden mit Kuhfladen vergoldet.
Dienstag, Januar 17, 2006
Vom Kläranlagenabfall zum Schüßler-Salz
Bei einem geselligen Abendessen wurde der Humbugtheoretiker auf das Wundermittel Ferrum phosphoricum angesprochen. Ferrum phosporicum, das ist der hochgestochene Name für eine extrem chemische Substanz namens Eisenphosphat, das vom Pharmakonzern DHU als Schüßler-Salz vermarktet wird. Wenn man dem Internet glauben darf, dann hat ein Oldenburger Quacksalber namens Dr. Schüßler annodazumal sich gesagt, dass die vielen homöopathischen Pillen des Quacksalber-Konkurrenten Hahnemann viel zu kompliziert wären. Es müsste auch einfacher gehen. Wer alles glaubt, der glaubt auch dies: Zwölf Salze helfen gegen jede Krankheit.
Eisenphosphat ist meist ein Abfallprodukt u.a. in der Galvanisierung von VW oder in gewöhnlichen Kläranlagen. (Es so stark zu verdünnen und älteren Frauen gegen Geld zu verkaufen ist ein noch perfiderer Entsorgungstrick als Gammelfleisch auf Dönerspieße zu stecken.) Der Hobby-Chemiker kann Ferrum phosphoricum sich leicht selbst herstellen: Man nehme einen rostigen Nagel und lege ihn etwa eine Stunde in etwas Cola. Sogleich reagiert das Natriumphosphat aus der Cola mit dem Eisenoxid unter Blasenbildung. Auf dem ehemals rostigen Nagel lagert sich Ferrum phosphoricum als silbriger Korrisionsschutz ab. Eisenphosphat ist ein wasserunlösliches Salz. Es fällt in wässriger Lösung leicht aus. Mineralisch kommt es als Vivianit oder Blaueisenerz mit der chemischen Formel Fe3(PO4)2x8H20 in jeder besseren Schwefelgrube vor. Öko-Bauern verwenden das chemische Eisenphosphat als Antischnecken-Mittel.
In die Apotheken gelangt Ferrum phosphoricum durch den bekannten homöopathischen Pharmakonzern DHU. Die Homöopathen verwenden nach Simillimum.net anscheinend nicht das hübsche Fe(II)3(PO4)2 sondern das höher oxidierte Fe(III)PO4. Im Gegensatz zum Arzneimittelgesetz, das für homöopathische Mittel keine Indikationen vorschreibt (da das Potenzieren ja nicht auf funktioniert, wie jeder im Selbstversuch mit Alkohol schnell nachweisen kann: Nach homöopathischer Lehre wirke die Substanz ja umso stärker, je mehr sie verdünnt wurde. Die Widerlegung ist auch dem letzten Blödmann verständlich.) - also im Gegensatz dazu glaubt das Scharlatanopfer, dass die stark verdünnten Salze irgendetwas heilen könnten. Das Ferrum phosphoricum wird nach meiner Meinung unverantwortlich als Erste-Hilfe-Mittel, (Merkwürdig, warum schreiben die das in Anführungsstrichen?) das die Wundheilung, so wird es suggeriert, beschleunigen soll, vermarktet.
Meine Informantin meinte jedoch, das Mittel hätte bei ihr gegen Erkältung geholfen. Dazu muss man den Post-hoc-Irrtum erklären. Weil etwas vorher passiert, ist es nicht zwangsläufig der Grund des vorhergegangenen. Der Hahn kräht, bevor die Sonne aufgeht. Also ist der Hahn die Ursache des Sonnenaufgangs. Das ist natürlich falsch. Die Erkältung geht nicht weg, weil sie das Salz zuvor geschluckt hat, die Erkältung geht weg, weil die zwei Wochen um sind, die eine Erkältung gewöhnlich dauert. - Und natürlich sind auch noch keine wissenschaftlichen Studien, die randomisierten und doppelblinden nämlich, aufgetaucht.
Eisenphosphat ist meist ein Abfallprodukt u.a. in der Galvanisierung von VW oder in gewöhnlichen Kläranlagen. (Es so stark zu verdünnen und älteren Frauen gegen Geld zu verkaufen ist ein noch perfiderer Entsorgungstrick als Gammelfleisch auf Dönerspieße zu stecken.) Der Hobby-Chemiker kann Ferrum phosphoricum sich leicht selbst herstellen: Man nehme einen rostigen Nagel und lege ihn etwa eine Stunde in etwas Cola. Sogleich reagiert das Natriumphosphat aus der Cola mit dem Eisenoxid unter Blasenbildung. Auf dem ehemals rostigen Nagel lagert sich Ferrum phosphoricum als silbriger Korrisionsschutz ab. Eisenphosphat ist ein wasserunlösliches Salz. Es fällt in wässriger Lösung leicht aus. Mineralisch kommt es als Vivianit oder Blaueisenerz mit der chemischen Formel Fe3(PO4)2x8H20 in jeder besseren Schwefelgrube vor. Öko-Bauern verwenden das chemische Eisenphosphat als Antischnecken-Mittel.
In die Apotheken gelangt Ferrum phosphoricum durch den bekannten homöopathischen Pharmakonzern DHU. Die Homöopathen verwenden nach Simillimum.net anscheinend nicht das hübsche Fe(II)3(PO4)2 sondern das höher oxidierte Fe(III)PO4. Im Gegensatz zum Arzneimittelgesetz, das für homöopathische Mittel keine Indikationen vorschreibt (da das Potenzieren ja nicht auf funktioniert, wie jeder im Selbstversuch mit Alkohol schnell nachweisen kann: Nach homöopathischer Lehre wirke die Substanz ja umso stärker, je mehr sie verdünnt wurde. Die Widerlegung ist auch dem letzten Blödmann verständlich.) - also im Gegensatz dazu glaubt das Scharlatanopfer, dass die stark verdünnten Salze irgendetwas heilen könnten. Das Ferrum phosphoricum wird nach meiner Meinung unverantwortlich als Erste-Hilfe-Mittel, (Merkwürdig, warum schreiben die das in Anführungsstrichen?) das die Wundheilung, so wird es suggeriert, beschleunigen soll, vermarktet.
Meine Informantin meinte jedoch, das Mittel hätte bei ihr gegen Erkältung geholfen. Dazu muss man den Post-hoc-Irrtum erklären. Weil etwas vorher passiert, ist es nicht zwangsläufig der Grund des vorhergegangenen. Der Hahn kräht, bevor die Sonne aufgeht. Also ist der Hahn die Ursache des Sonnenaufgangs. Das ist natürlich falsch. Die Erkältung geht nicht weg, weil sie das Salz zuvor geschluckt hat, die Erkältung geht weg, weil die zwei Wochen um sind, die eine Erkältung gewöhnlich dauert. - Und natürlich sind auch noch keine wissenschaftlichen Studien, die randomisierten und doppelblinden nämlich, aufgetaucht.
Humbug vs. Unfug
Gelegentlich wird das Wort Humbug falsch verwendet. Möglicherweise auch von der Wienerin Uschi Lichtenegger, Klubobfrau der Leopoldstätter Grünen. Sie glaubt, wenn man dem österreichischen Standard glauben darf, die Schließung einer Schule wäre bildungspolitischer Humbug. Das wäre falsch. Auch wenn man übertriebenerweise davon ausgeht, dass in der Bildungspolitik Vernunftkriterien gelten, dann kann eine Tatsache (wie sie die abgeschlossene Handlung einer Schulschließung zweifellos darstellt) kein Humbug sein.
Hier könnte Humbug mit dem ähnlich klingenden Wort Unfug verwechselt worden sein. Sollte aber Uschi Lichtenegger meinen, das Gerede über eine bevorstehende Schulschließung entbehre jeder Grundlage, es sei ein aufgebauschtes Gerücht, dann würde sie mit der Wertung Humbug richtig liegen. Aber diesen Eindruck erweckt der Standard-Artikel nicht.
Hier könnte Humbug mit dem ähnlich klingenden Wort Unfug verwechselt worden sein. Sollte aber Uschi Lichtenegger meinen, das Gerede über eine bevorstehende Schulschließung entbehre jeder Grundlage, es sei ein aufgebauschtes Gerücht, dann würde sie mit der Wertung Humbug richtig liegen. Aber diesen Eindruck erweckt der Standard-Artikel nicht.
Montag, Januar 16, 2006
Antrag auf Wiederbelebung
Mittelalter überall! Während in Saudi-Arabien Kamelstuten wegen Verführung unschuldiger Moslems zum Verkehr hingerichtet werden, kann der indische Subkontinent mit juristischen Absonderlichkeiten ganz anderer Art glänzen:
Wie Spiegel Online angeblich aus der India Times abgeschrieben hat, soll ein Inder den Beweis antreten, dass er kein Geist ist. Ein echter Catch 22.
Wie Spiegel Online angeblich aus der India Times abgeschrieben hat, soll ein Inder den Beweis antreten, dass er kein Geist ist. Ein echter Catch 22.
Freitag, Januar 13, 2006
Chemotherapie heilt Kylie

Es war die sechsmonatige Chemotherapie, die sich an eine Operation, den "invasiven Eingriff", anschloss, die Popstar Kylie Minogue
Möge sie ein Vorbild für viele Frauen mit Brustkrebs sein, damit sie nicht auf die herumpilgernden "Ich hab den Brustkrebs ganz natürlich besiegt"-Scharlataninnen hereinfällt. Diese verantwortungslosen Personen pilgern durch die Lande und erzählen (NACH der "schulmedizinischen" Operation), dass sie die "Chemo" abgebrochen haben und immer noch leben.
PS: Dementi. Der SPIEGEL berief sich auf einen
Mittwoch, Januar 11, 2006
Sozialistische Theorie des Humbugs
Auch die neuen deutschen Sozialisten versuchen sich als Humbugtheoretiker. Humbug, so behauptet ND-Autor Claus Dümde, sei ein Argument des MdB Dr. Heinrich L. Kolb. Der habe laut Bild-Zeitung eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt. Er wolle gegen die Offenlegungspflicht von Nebeneinkünften vorgehen. Er sei Unternehmer, aus der Offenlegung seiner Einkünfte könnten seine Konkurrenten Rückschlüsse über sein Unternehmen ziehen. Weiterhin halte er die Offenlegungspflicht für ungerechtfertigte Schnüffelei.
Darüber kann man diskutieren, in einer Demokratie darf und soll man diskutieren. Es ließen sich sicher leicht Argumente dafür und dagegen finden.
Zur Information: Die Richtlinien wurden vor einiger Zeit von der dpa beschrieben. »Sie legen fest, dass sämtliche Nebeneinkünfte dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden müssen, wenn sie 1.000 Euro im Monat oder 10.000 Euro im Jahr - zum Beispiel als einmaliges Honorar - übersteigen. Entsprechend diesen Angaben werden die Abgeordneten in drei Gruppen eingeteilt, je nach dem, ob sie weniger als 3.500 Euro, bis zu 7.000 Euro oder mehr als 7.000 Euro im Jahr dazuverdienen. Nur die Zugehörigkeit zu einer der drei Gruppen wird veröffentlicht, nicht das Einkommen selbst.« (taz, 19.10.2005)
Schauen wir uns den ND-Humbug an, insbesondere die Sätze mit dem Wort „denn“, das einen Kausalzusammenhang anzeigt. Für oder wider Kolbs Argument wird kein Wort verloren, nur Adhominems und billiger Populismus
Da Herr Kolb seine Einkünfte nicht offenlegt, sind die Sätze 8 und 9 natürlich reine Mutmaßungen. Aber richtig abwegig ist die Dümde-Meinung aus Satz Nr. 15: Wenn ein Unternehmer nicht mehr als 7000 Euro Privateinkommen monatlich herauszieht, dann sollte er das Unternehmen schließen. Gut, das ist seine unmaßgebliche Meinung, die noch beschäftigten Metallarbeiter in Kolbs Firma werden vermutlich eine andere haben.
Merke: Eine sozialistische Humbugtheorie ist der reine Humbug, da aus einer falschen Prämisse nur ein falscher Schluss gezogen werden kann.
Darüber kann man diskutieren, in einer Demokratie darf und soll man diskutieren. Es ließen sich sicher leicht Argumente dafür und dagegen finden.
Zur Information: Die Richtlinien wurden vor einiger Zeit von der dpa beschrieben. »Sie legen fest, dass sämtliche Nebeneinkünfte dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden müssen, wenn sie 1.000 Euro im Monat oder 10.000 Euro im Jahr - zum Beispiel als einmaliges Honorar - übersteigen. Entsprechend diesen Angaben werden die Abgeordneten in drei Gruppen eingeteilt, je nach dem, ob sie weniger als 3.500 Euro, bis zu 7.000 Euro oder mehr als 7.000 Euro im Jahr dazuverdienen. Nur die Zugehörigkeit zu einer der drei Gruppen wird veröffentlicht, nicht das Einkommen selbst.« (taz, 19.10.2005)
Ein scheues Reh Von Claus Dümde
(1) Heinrich Kolb ist Unternehmer, Bundestagsabgeordneter und sozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion. (2) Bei der FDP geht das gut zusammen. (3) Denn ihr Parteichef bekräftigte jüngst die Devise »Privat vor Staat«. (4) Und so fordert Kolb für die gesetzliche Krankenversicherung die Abkopplung der Beiträge von den Arbeitseinkommen. (5) Gemeint ist die Kopfpauschale. (6) Und dass die Menschen »mehr Verantwortung für die eigene Gesundheitsversorgung übernehmen« müssen. (7) So durch prozentuale Zuzahlungen.
(8) Der Mann hat gut reden. (9) Er kann sich das sicher leisten. (10) Doch das geht niemanden etwas an, meint Kolb. (11) Und kündigte via »Bild« eine Klage vorm Bundesverfassungsgericht dagegen an, dass MdBs künftig das Ausmaß ihrer Nebeneinkünfte offen legen müssen. (12) Das sei »ungerechtfertigte Schnüffelei«, barmt der Unternehmer und will glauben machen, Konkurrenten könnten daraus Rückschlüsse über die Lage seiner Firma ziehen und sich so Wettbewerbsvorteile verschaffen.
(13) Das ist völliger Humbug. (14) Denn veröffentlicht werden die Nebeneinkünfte nur nach drei Kategorien, die letzte für mehr als 7000 Euro monatlich. (15) Sollte Kolb das aus seinem Unternehmen nicht rausholen, sollte er es lassen, statt das scheue Reh zu spielen.
Schauen wir uns den ND-Humbug an, insbesondere die Sätze mit dem Wort „denn“, das einen Kausalzusammenhang anzeigt. Für oder wider Kolbs Argument wird kein Wort verloren, nur Adhominems und billiger Populismus
Da Herr Kolb seine Einkünfte nicht offenlegt, sind die Sätze 8 und 9 natürlich reine Mutmaßungen. Aber richtig abwegig ist die Dümde-Meinung aus Satz Nr. 15: Wenn ein Unternehmer nicht mehr als 7000 Euro Privateinkommen monatlich herauszieht, dann sollte er das Unternehmen schließen. Gut, das ist seine unmaßgebliche Meinung, die noch beschäftigten Metallarbeiter in Kolbs Firma werden vermutlich eine andere haben.
Merke: Eine sozialistische Humbugtheorie ist der reine Humbug, da aus einer falschen Prämisse nur ein falscher Schluss gezogen werden kann.
Dienstag, Januar 10, 2006
Homöopathische Tierversuche
In Slowenien steht ein neues Arzneimittelgesetz an, durch die Hintertür soll für die Homöopathie ein erleichtertes Zulassungsverfahren ermöglicht werden, das berichtete Jan Kalin bei dem 1-Million-Dollar-Skeptiker James Randi. Diese Zulassungsbestimmungen dehnen sich auch auf die Bereiche Veterinärmedizin und Ökologischer Landbau aus. »Was weiß ein Pferd schon vom Placebo-Effekt?«, fragen die Homöopathen polemisch, und versuchen so das Wissenschaftskriterium der Doppelten Verblindung zu umgehen.
Dabei wird der Umstand außer Acht gelassen, dass eine Doppelblind-Studie auch den Experimentator mit einbezieht. Wenn diese dann die Viehzüchter fragen, ob es ihren Tieren besser geht, ist der subjektiven Beeinflussung Tür und Tor geöffnet. So ein schlechtes Versuchsdesign kommt in richtiger wissenschaftlicher Arbeit nicht so häufig vor, bei Pseudowissenschaftlern ist es meist die Regel. (In der Hoffnung, niemand liest sich den „Material und Methode“-Teil durch, sondern nur das Summary.)
Die Doppelblind-Regel muss deshalb natürlich auch auf die homöopathischen Tierversuche angewandt werden, wenn man wissenschaftliche Ergebnisse erzielen möchte.
Dabei wird der Umstand außer Acht gelassen, dass eine Doppelblind-Studie auch den Experimentator mit einbezieht. Wenn diese dann die Viehzüchter fragen, ob es ihren Tieren besser geht, ist der subjektiven Beeinflussung Tür und Tor geöffnet. So ein schlechtes Versuchsdesign kommt in richtiger wissenschaftlicher Arbeit nicht so häufig vor, bei Pseudowissenschaftlern ist es meist die Regel. (In der Hoffnung, niemand liest sich den „Material und Methode“-Teil durch, sondern nur das Summary.)
Die Doppelblind-Regel muss deshalb natürlich auch auf die homöopathischen Tierversuche angewandt werden, wenn man wissenschaftliche Ergebnisse erzielen möchte.
Montag, Januar 09, 2006
Humbug oder Hoax?
Als ich wieder einmal die Google-Anzeigen anklickte, damit politische Blogs von ihren Widersachern bezahlt werden, kam ich auf die Amazon-Seite mit einem Märchen-Buch von Diktator Saddam Hussein. Am widerlichsten sind die einfühlsamen Rezensionen. Zitat: »Es ist spannend zu erfahren, zu welch' feinsinnigen und weisen Einsichten der Autor dieses Werkes fähig ist.« Welch ein Humbug! Scobel, laden Sie den verfolgten Literaten doch in Ihre Sendung ein. Vielleicht findet er ja auch noch sensible Einsichten zu Hitlers frühen Gemälden aus der Wiener Zeit, Kim Il Sungs Aquarellen der Roten Phase und Castros Land-Art, das eingewickelte Kuba.
Populäre Irrtümer: Manchester
Mit alten Vorurteilen über den Manchester-Liberalismus räumt der Polemiker-Blog »Betrachtungen wider den Zeitgeist« auf. Sehr lesenswert, sehr gut geschrieben. Und hey, dieser kleine Humbug-Blog hier hat es in die Linkliste geschafft. (Fühle mich geschmeichelt. Deshalb gleich auch noch ein Dankeschön an den „Deutschling“ für die lobende Erwähnung.)
Zurück zu dem gelungenen Essay: Es war alles ganz anders, und nicht so, wie wir es in der Schule gelernt haben. Ein Kandidat für das Lexikon der populären Irrtümer.
Via Statler & Waldorf
Zurück zu dem gelungenen Essay: Es war alles ganz anders, und nicht so, wie wir es in der Schule gelernt haben. Ein Kandidat für das Lexikon der populären Irrtümer.
Via Statler & Waldorf
Andere Medizin, zum Zweiten
Eine klitzekleine Nachlässigkeit ist Federspiel et al., den Autoren der »Anderen Medizin« zum Verhängnis geworden. Unter der Rubrik Komplexmittel-Homöopathie schrieben die Autoren, Wirkungsnachweise lägen nicht vor. Hätten sie geschrieben, lägen IHNEN nicht vor, wäre alles gut gewesen.
So zogen sich die Autoren den Zorn des Karlsruher Pharma-Unternehmens DHU zu, das eine Einstweilige Verfügung beantragte, und in Hamburg zustimmendes Gehör beim dortigen Gericht fanden. Die DHU argumentierte, da das EINE pharmazeutische Erzeugnis „Heuschnupfenmittel DHU“ ein zugelassenes Arzneimittel sei, läge auch ein Wirksamkeitsnachweis vor.
Im DHU-Wortlaut: »Heuschnupfenmittel DHU ist ein zugelassenes Arzneimittel, für das der erforderliche Wirksamkeitsnachweis für die Indikationen "allergische Erkrankung der oberen Atemwege wie z.B. Heuschnupfen (Pollinosis) und ganzjähriger allergischer Schnupfen (perenniale allergische Rhinitis)" erbracht worden ist.«
Aber was ist ein »erforderlicher Wirksamkeitsnachweis«? Die AOK erläutert das Zulassungsverfahren von Arzneimitteln:
Um es klar auszudrücken: Der juristische Begriff „Wirksamkeitsnachweis“ ist negativ definiert! Der triviale Begriff „Wirksamkeitsnachweis“ wird durchaus anders aufgefasst werden, nämlich dass von 100 Probanden mit einem Leiden 10 nach Applikation des Medikaments von einer Besserung berichten können. Das wurde aber nicht von der DHU in der Pressemitteilung behauptet. Überhaupt hält sich die DHU öffentlich zurück über den vorgeblichen »Wirksamkeitsnachweis.«
So zogen sich die Autoren den Zorn des Karlsruher Pharma-Unternehmens DHU zu, das eine Einstweilige Verfügung beantragte, und in Hamburg zustimmendes Gehör beim dortigen Gericht fanden. Die DHU argumentierte, da das EINE pharmazeutische Erzeugnis „Heuschnupfenmittel DHU“ ein zugelassenes Arzneimittel sei, läge auch ein Wirksamkeitsnachweis vor.
Im DHU-Wortlaut: »Heuschnupfenmittel DHU ist ein zugelassenes Arzneimittel, für das der erforderliche Wirksamkeitsnachweis für die Indikationen "allergische Erkrankung der oberen Atemwege wie z.B. Heuschnupfen (Pollinosis) und ganzjähriger allergischer Schnupfen (perenniale allergische Rhinitis)" erbracht worden ist.«
Aber was ist ein »erforderlicher Wirksamkeitsnachweis«? Die AOK erläutert das Zulassungsverfahren von Arzneimitteln:
Voraussetzung der Zulassung ist u.a. der Nachweis der Wirksamkeit, angemessene pharmazeutische Qualität und Unbedenklichkeit. Der Nachweis muss durch analytische, pharmakologisch-toxikologische und klinische Prüfungen erbracht werden. Allerdings definiert das AMG den Wirksamkeitsbegriff negativ. So darf die Zulassung nicht versagt werden, "weil therapeutische Ergebnisse nur in einer beschränkten Zahl von Fällen erzielt worden sind" (§ 25 Absatz 2 AMG). Nur wenn keine therapeutischen Ergebnisse nachgewiesen werden, ist der Wirksamkeitsnachweis misslungen.Das könnte bedeuten, wenn auch nur EIN menschliches Versuchskaninchen von 10 000 eine gefühlte Linderung des Heuschnupfens vermeldet, ist es als Arzneimittel zuzulassen.
Um es klar auszudrücken: Der juristische Begriff „Wirksamkeitsnachweis“ ist negativ definiert! Der triviale Begriff „Wirksamkeitsnachweis“ wird durchaus anders aufgefasst werden, nämlich dass von 100 Probanden mit einem Leiden 10 nach Applikation des Medikaments von einer Besserung berichten können. Das wurde aber nicht von der DHU in der Pressemitteilung behauptet. Überhaupt hält sich die DHU öffentlich zurück über den vorgeblichen »Wirksamkeitsnachweis.«
Warum wir ab 2006 keine Bionahrung mehr essen dürfen
Der Kolumnist des britischen Herald, Joe Fattorini, führt noch mal die guten Gründe gegen organic food an. Ob Bio- oder nicht Bio: die angeblichen „Gifte“ in der Nicht-Bio-Nahrung haben nach Studien zu KEINEM EINZIGEN Todesfall beigetragen. Bio-Essen ist nicht gesünder, schmeckt auch nicht besser, verbraucht aber mehr wesentlich mehr Anbaufläche, um die gleiche Menge Nahrung zu produzieren. Bio-Essen ist reiner Luxus auf Kosten der Dritten Welt. Danke, dass das noch mal einer sagt. (PS: Bei einer Untersuchung des Stern schnitten Käfigeier aus einem Hamburger ALDI-Markt in puncto Rückstände und Geschmack am besten ab!)
Guter Vorsatz: Rechnen lernen
Die BBC featured ihre kleine Matheshow „More or Less“ auch im Internet, natürlich als Quiz. Und nicht auf dem 9Live-Niveau (5+5/0,5=?). Ein Beispiel der BBC: »Drei Männer teilen sich ein Hotelzimmer. Der Portier verlangt 30 Pfund für das Zimmer. Jeder der Männer bezahlt 10 Pfund. Dann gehen sie aufs Zimmer. Unten fällt dem Portier ein, dass das Zimmer nur 25 Pfund kostet, er schickt den Pagen mit 5 Pfund hoch. Der Page kann die 5 Pfund nicht teilen, er gibt jedem gast 1 Pfund zurück und erhält 2 pfund Trinkgeld. Nun hat jeder Gast 9 Pfund bezahlt, zusammen ergibt das 27 Pfund, zuzüglich der 2 Pfund des Pagen ergibt das 29 Pfund. Wo ist das fehlende Pfund?«
Auch die NZZ betreibt Nachhilfe. Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund und Autor populärwissenschaftlicher Mathematikbücher, liefert ein kurzen Grundkurs in Statistik. Dabei erklärt er ganz nebenbei die Begriffe Mittelwert, Streuung, Korrelation vs. Kausalität und die Signifikanz, alles mit anschaulichen Beispielen erläutert.
via Freilich
Auch die NZZ betreibt Nachhilfe. Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund und Autor populärwissenschaftlicher Mathematikbücher, liefert ein kurzen Grundkurs in Statistik. Dabei erklärt er ganz nebenbei die Begriffe Mittelwert, Streuung, Korrelation vs. Kausalität und die Signifikanz, alles mit anschaulichen Beispielen erläutert.
via Freilich
Mittwoch, Januar 04, 2006
Michael Crichton über Angst, Komplexität und Umweltschutz
Prof. Brignell sei dank, er verlinkte zum Jahresende auf eine bemerkenswerte Rede von Michael Crichton. Der Bestsellerautor (Jurassic Park, E.R. und für meine Generation: „Andromeda – tödlicher Staub aus dem All“) wollte über eine globale Umweltkatastrophe recherchieren. Er pickte sich Tschernobyl heraus, und fand lediglich 56 Tote, und jetzt knapp 20 Jahre danach, knapp 4000 Lebende, die wahrscheinlich etwas früher sterben werden. Da zuvor von Zehntausenden, Hunderttausenden Toten die Rede war, und maximal 3,5 Millionen Spätfolgen-Toten fragte er sich, wie es zu dem Missverhältnis zwischen Realität und Wahrnehmung kam. (Man erinnere sich an unseren ehemaligen Reaktorminister Hulk Trittin, wie er ausflippte, als er von Achsenmacht Miersch auf diese Zahlen aufmerksam gemacht wurde.) Heraus kam das allseits gelobte State of Fear, Welt in Angst.
Crichton mokiert sich im Verlauf der Rede über die stark vereinfachten Weltformeln, in dem er diese Universaldiagramme aus den „Grenzen des Wachstums“ mit einfachen biologischen Steuerungssystemen, wie beispielsweise dem der neuronalen Steuerung eines Hummer-Darms oder – jeder Biochemie-Student hat geflucht – den Krebs-Zyklus vergleicht. Diese biologisch einfachen Systeme sind immer noch um ein Vielfaches komplizierter als die Diagramme des Club of Rome. Lesebefehl!
I’m a political agnostic. I was also raised in a scientific tradition that regarded politics as inferior: If you weren’t bright enough to do science, you could go into politics. I retain that prejudice today. I also come from an older and tougher tradition that regards science as the business of testing theories with measured data from the outside world. Untestable hypotheses are not science but rather something else.
Crichton mokiert sich im Verlauf der Rede über die stark vereinfachten Weltformeln, in dem er diese Universaldiagramme aus den „Grenzen des Wachstums“ mit einfachen biologischen Steuerungssystemen, wie beispielsweise dem der neuronalen Steuerung eines Hummer-Darms oder – jeder Biochemie-Student hat geflucht – den Krebs-Zyklus vergleicht. Diese biologisch einfachen Systeme sind immer noch um ein Vielfaches komplizierter als die Diagramme des Club of Rome. Lesebefehl!
I’m a political agnostic. I was also raised in a scientific tradition that regarded politics as inferior: If you weren’t bright enough to do science, you could go into politics. I retain that prejudice today. I also come from an older and tougher tradition that regards science as the business of testing theories with measured data from the outside world. Untestable hypotheses are not science but rather something else.
Der Leichte-Folter-Hoax
Eine Pressemeldung an AP gefaxt, eine seriös wirkende Internetseite, ein gefakter Wikipedia-Eintrag. Das reichte am Neujahrstag aus, um die Medien aufzurollen. Der imaginäre „Bund Deutscher Juristen“ vertreten durch den imaginären „Dr. Claus Grötz“ begrüße die Leichte Folter. AP verbreitet, MDR berichtet, sowie Spiegel online. Und die Grünen-Fraktionschefin Steffi Lemke fordert „Grötz“ zum Rücktritt auf. – Leichtgläubigkeit ist, wenn man glaubt, was man glauben möchte. Die Lektion ist, dass sich die deutschen Medien nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Veröffentlicht wird, was ins Weltbild passt, unabhängig von der Faktenlage.
Heise Newsticker
Der Tagesspiegel
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Nie mehr arbeiten!
Der Jahreswechsel ist die Zeit der Horoskope, der Wahrsager und der Rückblicke. Wie wird das neue Jahr? Wie war das alte? Auch Hans Meiser und Birgit Schrowange auf RTL blickten zurück im Scherz. Ein Videoclip aus einer Call-in-Wahrsageshow:
Eine weise Frau legt die Karten für 2 Euro die Minute, und behauptet: „Sie haben finanziell momentan einen Engpass, aber der wird im Lauf der nächsten Wochen behoben sein.“ Der Anrufer ist empört: „Nein! Ich habe geerbt! Ich brauche nie mehr arbeiten!“
Übrigens hat fast jeder Mensch in Deutschland in der Mitte des Monats einen finanziellen Engpass, der in zwei, drei Wochen, wenn das Geld vom Arbeitgeber, Auftraggeber oder Arbeitsamt überwiesen wird, gelindert wird. Die Aussage der Kartenlegerin ist ein typisches Beispiel des Barnum- oder Forer-Effekts, bekannt auch als cold reading. Der Entertainer, Wahrsager, Kartenleger erzählt sehr viel belangloses Zeug (Sie werden einen Fluss überqueren.) Der Gläubige interpretiert den Satz. (Einen Graben, eine Stromleitung, ein Kanalisationsrohr, der Weg über die Brücke, die Alster, Elbe oder Bill’? Überall fließt irgendetwas.)
Über lausige Vorhersagen
GWUP: Die Sterne nuscheln. Bastian, Freie Gedanken: Astrologen und andere Scharlatane
Eine weise Frau legt die Karten für 2 Euro die Minute, und behauptet: „Sie haben finanziell momentan einen Engpass, aber der wird im Lauf der nächsten Wochen behoben sein.“ Der Anrufer ist empört: „Nein! Ich habe geerbt! Ich brauche nie mehr arbeiten!“
Übrigens hat fast jeder Mensch in Deutschland in der Mitte des Monats einen finanziellen Engpass, der in zwei, drei Wochen, wenn das Geld vom Arbeitgeber, Auftraggeber oder Arbeitsamt überwiesen wird, gelindert wird. Die Aussage der Kartenlegerin ist ein typisches Beispiel des Barnum- oder Forer-Effekts, bekannt auch als cold reading. Der Entertainer, Wahrsager, Kartenleger erzählt sehr viel belangloses Zeug (Sie werden einen Fluss überqueren.) Der Gläubige interpretiert den Satz. (Einen Graben, eine Stromleitung, ein Kanalisationsrohr, der Weg über die Brücke, die Alster, Elbe oder Bill’? Überall fließt irgendetwas.)
Über lausige Vorhersagen
GWUP: Die Sterne nuscheln. Bastian, Freie Gedanken: Astrologen und andere Scharlatane
Dienstag, Januar 03, 2006
Geht nicht? Gibts doch: Raumenergie

Da es nach den Prognosen des Club of Rome heute kein Erdöl mehr gibt, machen sich allerlei Leute auf die Suche nach neuen Energiequellen. Raumenergie, davon hatte die konvententionelle Schulphysik bislang noch nie etwas gehört. Zu den Erfindern, die mit so etwas arbeiten, gehört anscheinend Professor Dr.-Ing. Konstantin Meyl, der ein ganz tolles Elektrogerät (Skalarwellenübertragungsset) erdacht und verkauft hat. Nicht nur, dass er meint, die Weltformel (Theory of Everything) gefunden zu haben, nein er hat auch die Skalarwellen, für Esos "Teslastrahlen", entdeckt. Leuten, die das nicht glauben, erläutert er seine eigene Wissenschaftstheorie.
Meyls wissenschaftliche Revolutionen öffnen "weite Tore" bei Amazon-Rezensenten mit Rechtschreibschwäche:
Zusammen mit dem Werk von Nikola Tesla […] und den 3 Werken von Konstantin Meyl (Skalarwellentechnik und die beiden Bd. „Elektromagnetische Umweltverträglichkeit") dürfte das Buch [Skalartechnologie von Tom E. Bearden] zu den wichtigsten und am weitestgehensten Werke gehören, die ein weites, neues Tor öffnet. Das solche Wissenschaftler verfolgt und verleumdet werden ist nicht unbekannt. Noch heute, über 60 Jahre nach seinem Tod, hält das FBI noch Unterlagen von Tesla unter Verschluß und der deutsche Prof. Meyel, legt aufgrund zahlreicher Anfeindungen einen wichtigen Teil seiner Forschungsarbeiten nieder und verzichtet an exponierter Stelle weitre zu forschen. In dem Kontex mag man dann auch die Kritik an der wissenschaftlichen Arbeit eines Bearden verstehen.
Derartiges vom FBI unterdrücktes alternatives Wissen muss an die Öffentlichkeit, was wäre da besser geeignet als die Berliner UFA-Fabrik anno 2000? (Mit Bildern der potenziellen alternativen Nobelpreiskandidaten!) Quasi in Steinwurfweite, mindestens in Qassamraketenreichweite residiert das Entwicklungshilfeministerium BMZ, da leistet man im Jahr drauf unter Alternativen gern Entwicklungshilfe. Und schwupps fließen köstliche Steuergelder zum Evaluieren neuartigster Perputua mobilia.
Raumenergie - Eine wissenschaftliche Massenpsychose , befindet Dip.-Ing. Friebe. Der Ruheständler des Deutschen Patentamts München hat sicher langjährige Erfahrung im Erkennen von Verstößen gegen den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.
Herbert Weidner nimmt den Bausatz von Prof. Meyl unter die Lupe, und hat so manches daran auszusetzen.
Da Vektorrechnung nicht jedermanns Sache ist, nimmt man sich an der TU Darmstadt Meyls Formeljonglage vor und findet: a Er hat sich (mehrfach) verrechnet. b Sein Wellen sind die ganz normalen, die man schon vorher kannte.
Bilder der Tagung der Quer-Verstrahlten, natürlich in der UFA-Fabrik Berlin.
Skalarwellen - Hier wird sehr schön die Ahnenreihe der durchgeknallten Sicherungen dokumentiert. Hier gibt es einen klitzekleinen Hinweis auf die "Arische Physik", die Spinner würden ja so gern die "Nicht-Hertz-Wellen" "beweisen".
Hier wird ein guter Überblick gegeben über die "Arische Physik", die "Weißen Juden", das Postengeschacher der Nazis und der gesammelte Unsinn. Ach, Prandtl war auch dabei (Strömungslehre), hier ist die Nobelpreisversessenheit angelegt, und allerlei wirre Weltentheorien. Wow. Wihrr befehlen die unverrzügliche Lektüre, mit anschließender Vollzugsmeldung!
Es gibt sogar eine Deutsche Vereinigung für Raumenergie, und wie sie selbst verkünden, wurden sie vom BMZ vulgo Entwicklungshilfeministerium anno 2001 damit beauftragt, eine Studie über "unkonventionelle Ansätze zur Energiegewinnung" zu erstellen. Jetzt ist sie raus. Da rede noch einmal von Zeiten leerer Kassen, wenn für die Perpetuum-mobile-Forschung noch Geld übrig ist.
Montag, Januar 02, 2006
»Firlefanz«
Einen erfrischenden Artikel über die Homöopathie, ohne das übliche Einerseits-andererseits-Gefasel, in der sonst den Konspirationstheoretikern nahestehenden Contentfabrik Telepolis lieferte zum Jahresbeginn Marcus Hammerschmitt ab.
Hammerschmitt: Sisyphos im Nachteil, Telepolis 1.1.2006
Verschiedene Ereignisse haben in letzter Zeit erneut die Ansicht der Schulmedizin bestätigt, dass es sich bei der Homöopathie bestenfalls um gut gemeinten Firlefanz handelt, bei dem sich alle Beteiligten selbst beschwindeln. Warum wird das der Popularität der Homöopathie trotzdem keinen Abbruch tun?Ein gut verlinkter Artikel, mit einem Jahresrückblick über die Homöo-Schlappen 2005. Hammerschmitts Artikel lässt auch für die Zukunft hoffen. Es wäre auch bei anderen Publikationen wünschenswert, wenn nicht jede Bullshit-Theorie ernst genommen würde. Es tut sich also etwas in der schreibenden Zunft.
Hammerschmitt: Sisyphos im Nachteil, Telepolis 1.1.2006
