Dienstag, Mai 30, 2006

 

Donnabella, tolle Rücklaufquote

Die Mailänder Hinterzimmer-Homöopathinnen-Gruppe Belladonna veröffentlichten in meiner Lieblingszeitschrift Homeopathy eine der so beliebten als »Studie« getarnten Marktforschungen. Acht Personen fanden heraus, was die Humbugtheorie schon immer vermutet hatte!

Der durchschnittliche Homöopathie-Kunde ist eine schlechtgelaunte 42-jährige Frau mit mindestens Abitur. Aus dem Abstract: »The majority of the participants were female, young (mean age 42 years), well educated (mean 13 years of education).« Und schlecht gelaunt? »The Mental Component Summary (MCS-12) scores were lower in all relevant strata examined.«

Wo ist der Haken an dieser Studie? Die Rücklaufquote der Fragebogen macht stutzig. Von 1229 Personen antworteten 1223. Das sind 99,5 Prozent. Klingt wie eine »Wahlbeteilung« aus der DDR. Und der Fragebogen: SF-12, das steht für Short Form, 12 Fragen. Für alle Leute, denen die Psychotests in den Frauenzeitschriften zu kompliziert sind. Den trivialen Humbug kann man sich hier (Crufad.com) ansehen.

»Hindert Sie Ihr Gesundheitszustand am Staubsaugen?« Wie antwortet eine arbeitslose 42-jährige Kulturanthropologin, die einen Ein-Euro-Job als Kartoffelschälerin in einer Schulküche antreten soll?

R. Pomposelli, C. Andreoni, G. Costini, B. Dedor, I. Mariani, M. Castellini, G.M. Tomaioli and E. Tonini 2006 Opinions and self-reported health status of Italians seeking homeopathic treatment. Homeopathy, 95, 2, p 81-87

Sonntag, Mai 28, 2006

 

Eklige Parasiten

Der Anthropo-Guru Rudolf Steiner irrte sich auch, als er Krebs für einen Parasiten des Menschen hielt.

So ein richtiger Endoparasit ist beispielsweise der Medinawurm (Dracunculus medinensis, Nematoda), der durch eine Art Wasserflöhe im Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangt.

Heute weiß man, dass Krebs – grob gesagt – ein genetischer Defekt menschlicher Zellen ist.

Doch neue Erkenntnisse fechten die ewiggestrigen Steineristen nicht an. Der Meister sah eine Analogie: Krebs ist Parasit, Mistel ist auch Parasit, widdewiddewitt und drei macht Neune. Ich mach die Welt wie sie mir gefällt.

Seit jener Zeit wird unwirksamer Mistelschleim bei ahnungslosen Krebspatienten als zusätzliches Geld-Schröpfmittel eingesetzt. Das letzte Hemd auch anthroposophischer Besserverdiener hat bekanntlich keine Taschen. Aber wenn man mit verhältnismäßig wenig Geld den Medinawurm im Sudan ausrotten könnte, einfache Wasserfilter würden schon ausreichen, dann fragt man sich schon, warum nur in Deutschland der Mistel-Humbug verkauft werden darf und ob man das Geld nicht für richtige medizinische Zwecke verwenden könnte.

Linktipps: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (KID) über die Mistel in der Krebstherapie sowie Unicef Statistics: Guinea worm disease (dracunculiasis)

Nachtrag: Sollten sich in der obigen Anzeigensektion Scharlatan-Inserate befinden, nicht einfach ignorieren, sondern wutentbrannt draufrumklicken. Danke.

Samstag, Mai 27, 2006

 

Weltuntergang verpennt

Heute ist der 27. Mai 2005. Na und, mag man denken. Aber da war doch was. Richtig: Vorgestern, am 25., sollte eigentlich Weltuntergang sein. Kennt irgendjemand jemanden, der vom Kometen erschlagen worden ist?

Passend dazu berichten W & S über ein Untergangsszenario aus dem vorletzten Jahrhundert.

Und Herr Humbugtheorie erinnert sich an die glückliche Kindheit, in der ihm im Erdkunde-Unterricht vom bärtigen, langhaarigen Lehrer im selbstgestrickten Wollpullover mit den dramatisch nach unten weisenden Kurven des Club of Rome das Ende der Welt wie wir es kannten im günstigsten Falle (Niemand wäscht sich mehr, alle fahren Fahrrad, immer verhüten!) spätestens am 31. 12. 1999 quasi zweifelsfrei bewiesen wurde. Wenn nicht Reagan vorher in einem Anfall geistiger Umnachtung den Roten Knopf gedrückt hätte. Jaja.

Freitag, Mai 26, 2006

 

Doc Holidays Prozentrechnung

Wie man der Ärztestatistik der Bundesärztekammer (Quelle: bundesaerztekammer.de) entnehmen kann, gab es zum 31.12.2005 in Deutschland 307 577 berufstätige Ärzte. – Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte gibt die Anzahl heutiger Ärzte mit Zusatzbezeichnung Homöopathie mit »über 5000« (Quelle: DZVHÄ) an. – Wir rechnen! 5000 durch 307000 mal 100 = 1,6 Prozent. Seien wir großzügig, nur knapp 2 Prozent der deutschen Ärzte sind auch Homöopathen.

Ein 100-prozentiger »quantenlogischer« Homöopath ist der hier bereits erwähnte »Professor« Walter Köster, Urheber des rororo-Taschenbuchs »Kranke Kinder homöopathisch heilen. Erfahrungen und Rezepte eines praktischen Arztes« (Amazon-Restposten des Monats). Köster, der im schönen Marbella praktiziert, kündigt seit geraumer Zeit sein Opus magnum »Die Logik der Ganzheit« an, wenn ihm seine Weiterbildungstätigkeit (Zitat: »März und September gehören zu den schönsten Monaten in Andalusien«) Zeit dazu lässt. Auf seiner Website fragt sich Doc Holiday: »Sind Mediziner, die Homöopathie anwenden, und das sind etwa 70% aller Allgemeinärzte in Deutschland, wirklich so töricht?« Antwort seitens der Humbugtheorie: Im Prinzip ja, es sei denn man definiert Intelligenz homöopathisch. Wer bezahlt wird, hat recht. Übrigens, die angeblichen 70 Prozent erscheinen angesichts obiger 2 Prozent doch arg übertrieben. Es fehlte wohl ein Nebensatz. 70 Prozent aller Allgemeinärzte, die ich kenne

PS: Wenn Köster sein großes Buch schon in eine Reihe mit Nobelpreisträgern stellt, dann sollte er deren Namen richtig schreiben. Niels Bohr schreibt sich mit »ie«.

PPS: Köstlich Kösters Homöopathiedefinition! »Was ist Homöopathie? … Wer mit Zahlen umgeht, rechnet ja auch nicht notwendigerweise. Er könnte auch beispielsweise eine Collage aus Zahlen herstellen, ohne Kenntnis der Regeln der Mathematik. Wer homöopathische Arzneien ohne Kenntnis der Regeln gibt, handelt nicht anders. Das Ergebnis ist nicht besser als ein Rechnen ohne Regeln.« So entstehen also die homöopathischen 70 Prozent! Einfach so lang Zahlen repertorisieren, bis die geistartige Verstimmung verschwunden ist. 70 Prozent, die Wohlfühlzahl.

Mittwoch, Mai 24, 2006

 

Nobelpreisträger gegen Homöopathie

Britische Ärzte und Wissenschaftler schrieben einen offfenen Brief an alle Regional-Vertretungen des National Health Service (NHS: Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen). Die Top-Mediziner wandten sich gegen Homöopathie im speziellen, »Alternativ«-Medizin im allgemeinen, sie warnten vor einer Unterwanderung des Gesundheitssystems durch unwirksame und widerlegte Therapien und brachen eine Lanze für die evidenzbasierte Medizin.

In der Times fand Professor Baum deutlichere Worte: »In Zeiten, wo wir für unsere Patienten um den Zugang zu Herceptin kämpfen müssen, das erwiesenermaßen die Überlebenschancen bei Brustkrebs erhöht, finde ich es fürchterlich, dass der NHS eine Therapie wie Homöopathie bezahlt, die schlichtweg Schwindel ist«.

Die Homöopathie-Funktionäre finden das natürlich gemein, denn in Großbritannien haben sie, so schätzt die Londoner Times, jährlich 1,6 Milliarden Pfund (ca. 2,4 Mrd Euro) aus der Krankenversicherung erschwindelt. (In Deutschland liegt die Summe in ähnlicher Größenordnung) »Wer trennt sich schon gern von seinen Einnahmequellen.«

Zuerst gelesen bei David Harnasch: Prince Junkscience.
Spiegel Online, 23. Mai 06: Nobelpreisträger gegen Prince Charles

Freitag, Mai 19, 2006

 

Anti-Anti

Im Mittelbadischen wenden sich Kinderärzte an die Öffentlichkeit. Zweck: der Impfmüdigkeit entgegenzuwirken. Die Gefahr: Tod durch Masern. - Die Autorin der Acher-Renz-Zeitung Regina de Rossi stellt Fakten zusammen. Lesenswert!.

Sie führt ein Argument an, das für einen unerwartet positiven Effekt des Impfens auf das Allergierisiko spräche: In der DDR gab es eine Impflicht (in der BRD nicht). In der DDR gab es relativ zur BRD weniger Allergien. - Siehe auf dieser Seite: Waldorfschüler-Studie)

 

Tierheilpraktiker - Wie herzlos kann man sein?

Dass Katzenquäler ihre Haustiere mit Vipera C 30 malträtieren, wurde hier schon erwähnt. Bei der Recherche zum vorangegangen Posting stieß ich auf die völlig schmerzfreie Heilpraktikerin Silvia Margarete Diouani-Hüber. Minutiös beschrieb sie in der Esoterik-Zeitschrift »Lebens|t|räume - Das Magazin für Gesundheit und Bewusstsein« die Quälerei ihrer Katze »Dandy«. Dokumentiert und kommentiert von Phiola aka 40_Fieber auf Kidmed.de.

Zitat: »Die „Bohnen” platzen nacheinander auf; es geht ihm deutlich besser.« Bohnen! So beschreibt die Tierquälerin die Eiterbeulen, die mit richtigem Antibiotika gar nicht erst entstanden wären. Dafür macht sie Werbung für Hypericum C 30, Arnika C 200, Belladonna D 6, Bryonia alba C 30. Nach dem Aufplatzen der Eiterbeulen werden die offenen Wunden nicht etwa versorgt, nein! Sie werden mit Kreosotum C 30, Ledum C 200, Rhus toxicodendron C 30 konsequent nicht behandelt. Das Grauen!

(Und das setzt sich im Verlauf des Threads weiter fort. - Für die Erfahrungsberichte von Phiola - insbesondere über Homöopathen unter sich - ergeht hiermit ein definitiver Lesebefehl)

 

Eins und eins

Irgendwie gibt es nichts Neues über die Homöopathen, könnte man denken. Lediglich zwei verschiedene Meldungen geistern durch die News.

Eins Die homöopathische Gebetsmühle wird nicht müde zu erwähnen, dass einige Krankenkassen ab Mai 2006 auch Globuli im Sortiment führen. - Hinter diesem Schritt der KK steckt das falsche, da nur kurzfristige, betriebswirtschaftliche Kalkül, Homöopathie-Kundschaft wäre die Besserverdiener-Kundschaft. Ob hier sinnvoll therapiert wird oder nicht, kümmert die Finanzzyniker der KK einen Dreck, es geht ihnen um solvente Mitglieder. Die Homöopathen drehen es natürlich zum indirekten Pseudo-Wirksamkeitsnachweis ad verecundiam.

Und eins Es wird die (meiner Meinung nach unverantwortliche und schnellstmöglich zu kriminalisierende) homöopathische (Nicht-)Behandlung von Kindern propagiert. (Thema: Mittelohrentzündung, Mastoiditis. Bild hier. - Im »Vital-Gesundheitskalender 2006« zum Monat Mai: »Sanfte Hilfe für die Kleinsten - Ob das Bäuchlein kneift oder die Ohren schmerzen: Auch Kinderkrankheiten werden durch Homöopathie geheilt« Bullshit!)

Non olet! Die »Mittelbayerische« (wie zahlreiche Provinzpostillen auch) druckt am 4. Mai d.J. folgenden PR-Zettel ab: »Für die Mitglieder der Kassen mit IV-Vertrag werden die Kosten der homöopathischen Leistungen bei einem Vertragsarzt mit der Zusatzbezeichnung "Homöopathie" übernommen. Die verordneten homöopathischen Arzneimittel müssen die Patienten jedoch weiterhin aus eigener Tasche zahlen. Davon ausgenommen sind nur Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr.« (Hervorhebungen von Humbugtheorie)

Freitag, Mai 12, 2006

 

Ausgetrickst vom WDR

Gestern auf der ARD, »Ausgetrickst« mit Franklin Schmidt, dem Moderator, der seiner 29 Jahre zum Trotz mit dem Vornamen angeredet wird: Eine alte Frau, die angeblich »Brigitte Meiswinkel« heißen und aus Groningen stammen soll, malt etwas auf ein Papier. Sie sieht ihren deutlich jüngeren Partner vor einem Hintergrundbild des WDR die Arme ausbreiten. Dann malt sie eine Brücke, eine Kirche mit zwei Türmen, einen Fluss und ein Gebirge, alles sehr, sehr minimalistisch. Sie sieht angeblich mit den Augen ihres Kompagnons, dessen Bilder über das "Jenseits" zu ihr gelangen. Dann hat sie ihr Bildchen fertig gemalt, die Kamera schwenkt herum und siehe da, eine Brücke in Köln, im Hintergrund der Dom. Na toll.

Wie viele Informationen kann ein Partner mit seinem Körper aussenden? Unglaublich viele! Weshalb muss der Partner in so einer komischen Kreuzesstellung stehen (Heißt dass schon: Kirche?) Und wenn die Informationen via den Umweg über das Jenseits nehmen, warum zeigt man dann überhaupt den Showpartner?

Und Franklin Schmidt lässt den billigen Trick als »Phänomen« gelten. Ein Studio-Phänomen im Anzug (Experte) labert was von »ecriture automatique«. Ich fasse es nicht! Wie tief ist er gesunken, der Informationsanspruch des Öffentlich-rechtlich-gebührenfinanzierten Fernsehens? Der WDR sollte abgeschafft werden!

Dienstag, Mai 09, 2006

 

Nachtrag zur Waldorfschüler-Studie

Die »signifikanten« Werte der Studie von FLOISTRUP et al. 2006 sind das Ergebnis eines Vergleichs von so genannten Odds Ratios (OR), sie sind prinzipiell etwas ähnliches wie die sonst so beliebten Relativen Risiken (RR). - Der Zahlenzerberus Brignell analysierte aktuell den Gebrauch von RR und OR in der pseudowissenschaftlichen Literatur und stellte darüberhinaus grundlegende mathematische Überlegungen an, die auch dem Laien verständlich sind. »Wie lassen sich relatives Risiko und Odds Ratio vergleichen? (engl.)« Brignell stellt die stellt die zugrundeliegenden Funktionen vor, sein wichtigster Einwand gegen den Gebrauch von ORs lautet: Warum eine komplizierte Funktion verwenden, wenn es auch eine einfache gibt? (Ockhams Rasiermesser)

Zum gleichen Thema äußerte sich bereits 1998 Prof. Dr. med. Karl Ernst v. Mühlendahl in seinem knappen aber verständlichen Artikel »Odds Ratio (OR) und Relatives Risiko (RR) - Statistik und Verschleierungsmöglichkeiten«. (PDF-Download hier) Professor von Mühlendahl: »Publikationen, die nur OR angeben, vielleicht noch in Verbindung mit p-Zahlen, sind kritisch zu lesen.« Humbugtheorie: Floistrup et al. 2006 geben OR und p-Zahlen an, um ihren vermutlich ideologisch motivierten Trugschluss zu untermauern, der Verzicht auf MMR-Impfen resultiere in niedrigeren Allergien.

Professor von Mühlendahl weiter: »Weil viele Mediziner nicht viel von Statistik verstehen, können versierte Epidemiologen alles mögliche erzählen und begründen, und die Leser von Abstracts werden dann schon für die weitere Verbreitung Sorge tragen, wenn Inhalte sensationsträchtig sind - das gilt für die öffentlichen Medien - oder wenn sie in das eigene Denkschema passen, die schon bestehenden Überzeugungen bestätigen. Cave, trau schau wem!«

Montag, Mai 08, 2006

 

Wegen Tom Cruise? »Mission: Impossible 3« fällt durch


Wie Roger Friedman für die FoxNews berichtete (Quelle) lief der Kinostart für »Mission: Impossible 3« alles andere als zufriedenstellend. Mit Kinokassen-Einnahmen von 48 Mio Dollar liegt M:I 3 deutlich unter »Krieg der Welten« Tom Cruises Vorjahresfilm, der knapp 65 Mio Dollar einspielte. Friedman mutmaßt, dass die Antwort in der gesunkenen Popularität des Promi-Scientologen Tom Cruise liegen könnte, der sich zunehmend zur Witzfigur entwickelt hat, dazu seine mehr oder weniger freundliche Übernahme von Teenie-Schnuckelchen Katie Holmes sowie die verletzenden und nicht zurückgenommen Worte gegen Brooke Shields (s. Stern.de), die an postnatalen Depressionen litt.

Samstag, Mai 06, 2006

 

EU-Studie: Impfen unbedenklich hinsichtlich Allergie

Der Eureka-Alarm kam aus Schweden. Leichtfertig wurde geschlossen, dass die Kinder der Waldorf-Sekte unter weniger allergischen Erkrankungen leiden würden, als deren nicht-anthroposophischen Artgenossen. Wieder einmal wurde eine epidemologische Studie durchgeführt, eine Meta-Analyse sowieso, EU finanziert, wieder einmal kamen die »signifikanten« Ergebnisse durch subjektive Befragungen zustande. Aber: diesmal wurden die subjektiven Befragungen durch einen einfachen, aber harten Bluttest quantifiziert. Und der konnte dies erste Ergebnis nicht bestätigen.

Das hindert Publizisten natürlich nicht daran, sich voreilig vor den anthroposophischen Propaganda-Karren spannen zu lassen.
Anthroposophic lifestyle reduces risk of allergic disease in children
»Certain features of the anthroposophic lifestyle, such as restrictive use of antibiotics and fever antipyretics, reduce the risk of allergic disease in children, according to a new study.«


Die Studie der Epidemologin Helen Floistrup am Stockholmer Karolinska Institut wird sicher für Aufregung sorgen, und als Begründung für allerlei anthroposophischen Nonsens herhalten müssen. Doch schon die ersten voreiligen Schlussfolgerungen aus der Studie lassen sich mit ein wenig pragmatisch angewandter Logik widerlegen. Auf Platz eins: Korrelation ist nicht gleich Kausalität.

Doch zuvor muss man sich über ein kleines, aber wichtiges Molekül unterhalten: IgE ist das Immunoglobulin E, IgE ist ein spezialisiertes Immunoglobulin, das bei Allergien auftritt. Andersherum formuliert: Wenn sich erhöhte IgE-Werte im Blut nachweisen lassen, dann liegt mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit eine Allergie vor. Noch deutlicher: Wenn eine Person eine Allergie hat, dann lässt sich ein spezifisch erhöhter IgE-Wert im Blut nachweisen. Ein Mensch ohne erhöhtes IgE-Level hat nie eine Allergie gehabt. Bevor man das Immunoglobulin E im Jahr 1967 entdeckt hatte, war es bereits unter dem hypothetischen Namen »Reagin« bekannt, der Stoff, mit dem das »Allergen« reagiert.

Über das IgE, einem aussichtsreichen Kandidaten, falls man Allergien bekämpfen und nicht nur »als Chance« sehen möchte, forscht man beispielsweise am Randall, einem nicht unbedeutenden biophysikalischen Institut des Londoner King’s College. In den dortigen Kellerlabors wurde die DNA-Struktur erforscht, mittlerweile ist man im dritten Stock angelangt. Hier gibt es richtige Biophysiker, die richtig über Asthma und Allergie forschen, beispielsweise Professor Sutton oder Professor Gould. (Wer bislang keine Ahnung hatte, was Biophysik tatsächlich ist, sollte sich die o.g. Links anklicken und dort studieren. Der Unterschied zu den Scharlatanen, die, wenn sie das Licht einschalten von "Photonik" reden, und wenn sie Fisch so lange gammeln lassen, bis er leuchtet, von "Biophotonik", wird dann ganz schnell offenbar.)

Wie kann man jetzt feststellen, ob ein Mensch tatsächlich eine Allergie hat, oder ob es sich um einen eingebildeten Hypochonder handelt? Die Antwort liegt im Blut. Echte Allergiker haben erhöhte IgE-Spiegel, die sich ganz simpel mit einem Antikörper-Test nachweisen lassen.

Helen Floistrup verglich die subjektive Frage an die Anthropo-Eltern »Hat oder hatte ihr Kind eine Allergie?« glücklicherweise auch mit den Ergebnissen der Blutwerte. Demnach haben die Anthropo-Blagen statistisch gesehen genauso häufig Allergie wie normale Kinder. - Eine Zusammenfassung von Floistrups Arbeit liefert ein Artikel aus dem Ärzteblatt vom 11. Januar 2006, aus dem die folgenden Zitate stammen.

Korrelation Antibiotika vs. Allergie: »Hier hatte der Einsatz von Antibiotika sogar eine, wenn auch statistisch nicht signifikante, protektive Wirkung (OR 0,91; 0,60-1,37).«

Korrelation Antipyretika (Aspirin, Paracetamol u.ä.) vs. Allergie: »Doch bei den IgE-Sensitivierungen war erneut kein signifikanter Unterschied erkennbar.«

Und über die gesellschaftlich brisante Frage nach einer Korrelation MMR-Impfung vs. Allergie: »[D]ie Blutuntersuchungen konnten dies – erneut – nicht bestätigen.«

Die Schizophrenie Steiners überträgt sich anscheinend auch auf dessen durchgeknallte Anhänger. Die Anthropo-Eltern glauben, dass sie häufiger »Allergie« haben als der Durchschnitt, ihre Kinder hingegen, so glauben sie erneut, hätten aber seltener »Allergie« als der Durchschnitt.

Die erhobenen EU-Daten sind kostbar und wertvoll, es kommt nur darauf an, wer mit welcher Fragestellung mit ihnen herumspielen darf. Die Resultate von Floistrup 2006 können nur lauten:
1 Trotz Nichtrauchen, Bio-Nahrung und Wohlstand: Steiner-Kinder sind genauso »allergisch« wie ihre normalen Altersgenossen.
2 Bewiesen: Kein Einfluss von Masern-Mumps-Röteln-Impfung auf das Allergie-Risiko.
3 Antibiotika können das Allergierisiko senken.

Aber das waren anscheinend nicht die Ergebnisse, die man finden wollte.

Freitag, Mai 05, 2006

 

Scientologen können nicht tanzen

Auf diesem Video (Glumbert.com) versucht sich der schauspielernde Scientologe Tom Cruise rhythmisch zur Musik zu bewegen. Eine Lachnummer!

Auch auf dieser Seite: Tom Cruise bei South Park, Robbie Williams über Tom Cruise und Tom Cruise, der Sofa-Hüpfer.

Mittwoch, Mai 03, 2006

 

Breuer heißt er, ist Bademeister

Wer mit Carl Sagans Baloney Detection Kit ausgestattet ist, bei dem läuten alle Alarmglocken: Eine Wundertherapie ganz ohne Nebenwirkungen! Ein Testimonial! Die kleine Angelina, die die Ärzte schon aufgegeben hatten, kann wieder krabbeln! Der Therapeut: ein medizinischer Laie, der Bademeister Richard Breuer. Seine Website www.biomeditec.de: billig zusammengeschustert, dazu ein Vorwort eines wissenschaftlichen Außenseiters, uns Prof. Popp, seines Zeichens Biophysiker, weiterhin wird ein Emeritus der Ruhr-Uni Bochum zitiert, der vom Katzenhirn-Physiologen auf Akademikerinnen-Kinesiologe umschulte. (Also: Vorsicht bei Medizinern, die die Ruhr-Uni Bochum ausgespuckt hat.) Der Name des Unternehmens: Hochtrabend und nichtssagend. Biotechnologisches Forschungszentrum, das kann alles mögliche sein, auch ein Hühnerstall mit Eierwaage. Aus der Luft sieht die Adresse in Blankenheim/Ahr allerdings aus wie das örtliche Schwimmbad.

Und wogegen wirkt die angebliche Therapie ganz ohne Nebenwirkungen: Athetose, Apoplex, Brustkrebs (großes Marktpotenzial!), Hirninfarkt, Hirnschaden, idiopathische Cerebralparese mit Ataxie, inkompletter Querschnitt, Locked-in-Syndrom, Lymphdrüsenkrebs, Schlaganfall, spastische Diplegie, spastische Parese, Tetraspastik mit Athetose. Meine Güte.

»Diese neurobiologische Entdeckung beruht auf der Decodierung von neuronalen Codes durch die Tastsinneswerkzeuge. Dies hat tief greifende Auswirkungen, nicht nur auf die Wissenschaft und die Philosophie, sondern auch auf das Geschäftsleben, die Politik, das Gesundheitswesen, auf Bildung und Erziehung und das Alltagsleben.« (Quelle: Richard Breuer, Film Manuelle Feedback Therapie Breuer®) Sonst noch was? Dreht sich demnächst die Erde andersherum?

Und worin besteht die Breuersche Therapie (nicht zu verwechseln mit der des Sigmund-Freud-Kumpels Josef Breuer)? Tupfen! Da wird ein Patientenkörper von einem Therapeuten betupft, und dann soll sich irgendetwas verbessern. Was? Wie stark? Aussagekräftige Zahlen ließen sich nicht finden, höchstens dass eine Therapie rund 20000 Euro kosten solle. Ein Dreitage-Seminar 200 Euro. Tupf, tupf! Lass die Zellen schwingen! Wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung: Geldschein-Translokation.

 

Mittelalter in »Palästina«: Kinderfresser

Geht es noch platter? Leon de Winter berichtete über eine Nachricht vom 2. Mai d.J. auf der Hamas-Propaganda-Website (übrigens co.uk) und ihrem journalistischen Pendant aus einer Demokratie. Palestinian Information Center: »Israelis entführen vier Monate altes Palästinenser-Baby« sowie Haaretz: »Gesund und munter: vermisstes Kind nach Suchaktion gefunden«.

Stand nicht schon Kaiser Friedrich II., (1194-1250, also lange vor der Aufklärung), vor einem ähnlichen Problem, das er nach damaligen Maßstäben weise löste?

Dienstag, Mai 02, 2006

 

Qualitätsjournalismus™

Es gibt Angenehmeres, als sich tagein tagaus mit Schwachsinn zu beschäftigen. Beispiele: Mit guten Freunden archaische Riten des Fleischkonsums begehen, auf der Schanzenpiazza in der Mittagspause mit Kollegen Milchkaffee trinken und portugiesisches Gebäck verzehren, mit der Geliebten durch die Obstbaugebiete spazierengehen und dabei in Hofläden nach Spezialitäten zu stöbern oder einfach einer Erwerbstätigkeit nachgehen, die zur Erhöhung des Kontostands führt. Man möge mir meine Abwesenheit von der Blogosphäre verzeihen.

Doch kaum schaltet man die Kiste wieder ein, wird man zugemüllt. Das Krawallblatt Bild-Zeitung veröffentlicht die Visionen des durchgeknallten Ufologen Eric Julien, aka Jean Edermann. Kurzfassung: Am 25. Mai ist Weltuntergang. Das berichtet der wohlinformierte BILDblog über den Humbug der Bild-Zeitung, Abteilung »Far Out im Weltraum«. BILDblog: »Bild« von Außerirdischen entführt Die Bild-Zeitung, deren himmlische Beiträge in der Regel das Spektrum von amüsanter Nonsens bis grober Unfug abdecken, hat es halt nicht so mit den Zahlen. Aus 40 km/s wurden 40 m/s.

Ähnlich der Stern, der im Qualitätsjournalismus™ neue Maßstäbe am unteren Rand mit der Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher setzte. Davids Medienkritik entdeckte, dass der Stern 37 Millionen legaler hispanischer US-Bürger einfach zu 37 Millionen illegalen Einwanderern erklärte. Ja, wenn es dem Bush-Bashing dienlich ist, dann hat auch der Qualitätsjournalismus™ sein Scherflein dazu beizutragen.

Über die Tschernobyl-Zahlen wollen wir am besten gar nicht reden. Die nachgewiesenen 50 Toten, die akut an der Strahlenkrankheit starben, stehen in keinem Verhältnis zur gefühlten Apokalypse. Man wartet immer noch auf eine Tabelle, die die damals prognostizierten dramatisch gestiegenen Krebsraten in Deutschland darstellt, mit dem signifikanten Knick deutlich nach dem 23. April 1986. Die sonst bei Qualitätsjournalisten™ so beliebte Weltgesundheitsorganisation WHO hat forschen lassen, der Tagesspiegel resümierte:

Die Wissenschaftler ziehen das Fazit, dass - grob vereinfacht - die Folgeschäden von Tschernobyl viel geringer sind als ursprünglich angenommen. Abgesehen von den zu 99 Prozent nicht lebensgefährlichen Krebserkrankungen an der Schilddrüse seien keine grundsätzlich negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen festzustellen. Die Armut sei eine weit größere Bedrohung für die Menschen in den betroffenen Regionen als die Strahlung, heißt es in der Studie. Quelle: Tagesspiegel.

Bei soviel irrationalem Flagellantentum mutet in diesen Tagen sogar die katholische Kirche wie ein Hort der Aufklärung an. Papst Benedikt XVI., der sympathische Weizenbiertrinker mit globaler Perspektive, »lächelt milde« (NTV 18.4.06) hinsichtlich der angeblichen Marienerscheinung in Bosnien-Herzegowina und erkennt Medjugorje nicht als offizielle Wallfahrtskirche™ an. Die Blutende Madonna von Traunstein™ wird sich vermutlich auch nicht zum Wallfahrtsort mausern. Geradezu skeptisch äußerte sich Ratko Peric, Bischof von Mostar Duvno. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass die bislang aufgezeichneten 35000 Marienerscheinungen sinnlose Botschaften und Unwahrheiten waren, deren Urheber finanziellen Nutzen daraus ziehen wollen. So NTV weiter.

Einer idiosynkratischen Sekte, den bekifften Sadisten vom Kreuze des Rudolf Steiner™, ging es von Seiten der öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten™ an den Kragen. Wie der immer gut informierte David Harnasch zu berichten wusste, hat »Sei fleißig, mach 1:30« Frontal21 enthüllte, dass in den Waldorf™-Schulen sich Anhänger der Lehre Rudolf Steiners sammeln. Und deshalb wird gelegentlich Steiners irre Rassenlehre™ verbreitet. Ein Waldorf™-Lehrer kandidierte sogar für die NPD. (Ein anderer Waldorf™-Schüler war sogar mal deutscher Innenminister) Wer hätte das gedacht?

Dass Horoskope Humbug sind, weiß jedes Kind, aber man könnte doch noch eine Zeitungsmeldung draus machen. Die nicht gerade für Qualitätsjournalismus™ bekannte Witwenschüttelei B.Z. berichtet von einer deutsch-dänischen Studie, die die Charaktereigenschaften von 150000 Menschen analysiert hat und diese mit den dazugehörigen Horoskopen verglich. Ergebnis: Kein Zusammenhang. Ach nee, aber schön dass wir noch mal geforscht haben. Die Humbugtheorie verweist auf den skeptischen Professor Carroll: Astrology.

Und was gab es Neues von den Homöopathen? Sie hatten ihre weltweite Homöopathie-bei-Kleinkindern-Aktionswoche. Der Vital-Gesundheitskalender 2006 unter der Chefredaktion von Katja Burghardt behauptet wider allen Wissens: »Auch Kinderkrankheiten werden durch Homöopathie geheilt«. Angeführt werden dann: Husten, Schnupfen, Ohrenschmerzen, Bauchweh, Verletzungen und Blutergüsse. Wem es nicht aufgefallen ist: Das sind keine Kinderkrankheiten.

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